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Hitlist
 




Yes: Union
(1991, 69:58)


Yes: Union
 

Union heisst diese CD und gemeint ist, dass zwei unterschiedliche Yes-Lineups vertreten sind.

Die renommierten Protagonisten sind:
Jon Anderson, Bill Bruford, Steve Howe, Tony Kaye, Trevor Rabin, Chris Squire, Rick Wakeman, Alan White

Weiterhin vertreten sind auf dieser CD Tony Levin (Peter Gabriel, ex-King Crimson) und noch 18 Gastmusiker.
Gelegentlich wurde vermutet, dass diese vielen Gastmusiker tatsächlich den grössten Teil der Musik spielen und die Yes-Leute kaum wirklich einmal ein Instrument in die Hände bekamen.
Die beiden Yes-Mannschaften haben hier auch nicht zusammen gearbeitet, sondern getrennt ihre Stücke aufgenommen. Dabei stammt der Großteil von dem Team, das man als Anderson Bruford Wakeman Howe bezeichnen würde und nur wenige von den durch Owner of a lonely heart bekannten Leuten.
Schaut man sich die Songwriter-Credits an, so könnte man sogar soweit gehen, jeweils einen Song Howe, Squire und Anderson solo zuzuschreiben, zwei Songs Rabin und einen als King Crimson-Song einzustufen.
Insgesamt waren hier neun verschiedene Producer am Werk.

Erstaunlicherweise merke ich dieses ganze Personenwirrwarr der Platte überhaupt nicht an! Für mich handelt es sich um ein jedenfalls weitgehend einheitliches Werk. Selbst die Unterschiede der Gitarren von Steve Howe und Trevor Rabin sowie in den Drums kann ich nur bei Anstrengung heraushören.
Lediglich Tony Levins Bassspiel unterscheidet sich doch recht deutlich von dem Chris Squires - zumindest wenn man ihm den Raum lässt. Aber da ich auch King Crimson mag, macht dies die Songs für mich nur interessanter.

Yes sind eine meiner Lieblingsgruppen überhaupt und nur durch die "Gnade" der späten Geburt, erwähne ich diese CD an dieser Stelle und bin nicht gerade bei der Hitlist 1971 und preise Fragile an.
Es gibt diese Gruppe ja sogar heute noch und ich muss sagen, dass ich ihre letzten Veröffentlichungen nicht sonderlich interessant fand.
Union kann man als Nachfolger einer Melange von ABWH und Big generator auffassen und in punkto kurze, prägnante Songs mit Innovation und Wiedererkennungswert sind hier tatsächlich die besten Momente zusammengefasst. Viele der Songs sind kleine Kunstwerke: ein ganzes Bündel frischer Ideen und witziger Effekte in vier Minuten präsentiert. Und Tony Levin übt wirklich einen nicht unbedeutenden Einfluss aus.
Mit etwas Übung und der Kenntnis seiner Soloplatte kann man dann zwar doch die Songs mit Trevor Rabin erkennen, aber sie fügen sich gut ein und liefern einen gewissen poppigen Pepp.
Ich würde sagen, dass dieses die letzte wirklich bemerkenswerte Yes-CD ist. Sie verharrt nicht in Klischees oder 70ies Wiederholungen, bietet aber auch mehr als nur nette Popsongs. Fast alle Stücke sind interessant in dem Sinne, als dass sie wirklich Ideen, gutes "Songwriting" bieten.
Anspieltipps: Lift me up, Without hope you cannot start the day, Dangerous, Take the water to the mountain

Das Konzert der Union-Tour, das ich besuchte, war ein echtes Erlebnis: zunächst einmal, diese acht Ausnahme-Musiker gemeinsam auf der Bühne erleben zu dürfen. Weiterhin die Atmosphäre des Konzertes: virtuos, künstlerisch, wie von einem anderen Stern.
Auch in seiner Dauer war es ausserirdisch: wir trafen bereits eine Stunde vor dem Einlass ein und warteten vor der Halle. Nach dem Einlass dauerte es noch über eine Stunde, bevor es losging. Nach meiner Erinnerung gab es keine Vorgruppe. Yes spielten fast drei Stunden. Mir brachen die Beine ein hinterher. Das erstandene T-Shirt zählt noch heute zu meinen Favoriten, auch weil ich die Cover von Roger Dean wirklich gerne mag.

In der örtlichen Zeitung hiess es damals nach dem Konzert: "Es schien, als wäre es des Triumphators letzter großer Einmarsch [...]". Da lag man wohl doch etwas daneben, denn Yes tourten ja erst kürzlich wieder. Ich sah sie auch zwischenzeitlich noch einmal und fand sie grossartig, wenn ich mich auch mit dem neuen (inzwischen wieder entschwundenen) Keyboarder nicht so recht anfreunden konnte.
Man darf sich natürlich nicht an dem seltsamen Outfit der Leute stören (Stulpenstiefel plus Leggins mit Wampe kommt echt gut!) und dem deutlich esoterischen Gelaber von Jon Anderson (Lieblinsworte: Love und Sun!).

Jeder der Musiker für sich genommen ist eine ganz besondere Kapazität und zusammen erschufen sie mehrere Meilensteine der Rockmusik. Wie sieht es mit den Solowerken aus?
Hier bewahrheitet sich mal wieder, dass das Ganze mehr als seine Teile ist. Die Soloplatten bewegen sich zwischen "fast so gut wie Yes" und "totale Scheisse". Ich stelle eine kurze Liste zusammen:

Chris Squire: 2 Solos, ich empfehle Fish out of water von 1975, eine schöne Platte. Das neue Werk Conspiracy enttäuscht eher.
Jon Anderson: viele Soloplatten, meistens zu schnulzig, poppig und schlicht. Lediglich der Erstling Olias of sunhillow besticht durch eine sehr dichte Atmosphäre und Ähnlichkeit zu Yes.
Bill Bruford: die Platten unter seinem Namen bzw. als Earthworks dürften nur etwas für Spezialisten mit einem besonderen Interesse an Jazz sein. Wer es etwas ruhiger mag und sich auch nicht vor abgefahrenen Songstrukturen scheut, dem sei aber Bruford Levin Upper Extremities empfohlen (unter Mitwirkung von David Torn und Chris Botti (Stings Trompeter)). Wobei auch hier deutliche Jazz-Elemente zu bemerken sind.
Tony Kaye: hat keine Soloplatte. Badfinger und Detective machten schnörkellosen Rock'n'roll.
Steve Howe: ist ein Gitarrist mit Leib und Seele und das merkt man seinen Soloplatten an. Hin und wieder sind Anklänge an Yes zu entdecken, oft sind die Songs aber hauptsächlich an der Gitarre entlang geschrieben. Wenn er selber singt, ruiniert dies meistens das Stück. Daher nur für Fans.
Trevor Rabin: hat zunächst vor Yes drei Soloplatten herausgebracht, von denen man die ersten zwei vermeiden sollte. Seine CD Can't look away dagegen ist kaum von den Yes seiner Zeit zu unterscheiden, von daher also in jedem Fall empfehlenswert. Macht seit längerer Zeit Soundtracks für schlechte Filme.
Rick Wakeman: hat unzählige Platten und CDs herausgebracht. Teilweise handelt es sich um banale Werbemusik, teilweise um esoterische Sphärenklänge oder auch um kleine Rockopern. Die Qualität ist stark schwankend. Am ehesten empfehlen würde ich ganz alte Sachen wie etwa Journey to the centre of the earth (nicht den 2. Teil!) und No earthly connection.
Alan White: seine Soloscheibe Ramshackled bringt mir nicht viel.

Was die Yes-Leute angeht, sind vor allem die älteren Sachen interessanter. Man wird wohl nicht um mühsame Suche und/oder Reinhörsessions herumkommen.

Wer zunächst nichts mit den alten Yes-Songs aus den 70ern anfangen kann, sei beruhigt: ich war auch lange Zeit der Meinung, es handele sich um vertrackten, unverständlichen Mumpitz!
Heart of the sunrise als ein Beispiel welches auch auf einigen Best ofs enthalten ist, ist auf Anhieb nicht jedermanns/fraus Sache. Das kann man verstehen und dennoch: es lässt sich erschliessen. Nach und nach kann man sich an die ungewöhnlichen Passagen gewöhnen und wenn das Stück als solches erst einmal akzeptiert ist, wächst es immer weiter, weil sich bei den nächsten Hördurchgängen immer neue Aspekte und Details auftun. Damals wurde dieser Song auch schon als sehr unkonventionell eingestuft.
Yes
, die virtuosen Musik-Punks?
Nein, es ging ihnen nie darum, den Hörer zu entsetzen oder Wut auszudrücken. Eher Peace, Eierkuchen und sowas.
Ein weiterer sich schwer erschliessender Höhepunkt der frühen Jahre ist Close to the edge, das "long song"-Meisterwerk.
Lediglich mit Relayer habe ich noch heute meine Schwierigkeiten, was aber zum Teil auch an Patrick Moraz' fiependen Keyboards liegt.

Abschliessend möchte ich noch auf das Video Yesyears hinweisen (gibts gerade bei 2001 billig). Wer sich für die Geschichte von bekannten Rockbands oder die acht hier erwähnten Musikerpersönlichkeiten interessiert und natürlich auch und vor allem wer sich für Yes interessiert, sollte sich diese zwei Stunden (in Englisch) nicht entgehen lassen: seltene Live-Ausschnitte, aufschlussreiche Interviews und eine Chronologie der Bandgeschichte in der auch die einzelnen Charaktere genauer zutage treten und alle Bandmitglieder als sehr sympathisch (wenn auch teilweise etwas weltfremd) erscheinen.

Yes sind es wert, sich auf sie einzulassen. Sie haben weit mehr zu bieten, als nur einige 80er Hits. Und: sie melden sich mit Union auch zu Beginn der 90er eindrucksvoll zurück!


Stay alive and rock on,
Harvey
(6.6.02)

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Yes

(England)
Gegründet 1968
Erste VÖ 1969 "Sweetness" -Single

Besetzung 1991:
Jon Anderson: voc
Bill Bruford: elec. dr
Rick Wakeman: keys
Steve Howe: guit
Trevor Rabin: guit, voc
Chris Squire: b, voc
Alan White: dr
Tony Kaye: keys


Link
Five per cent for nothing
Heart of the sunrise
Yessongs
Soon
Awaken
Going for the one
Drama
90125
Anderson Bruford Wakeman Howe
Keys to ascension 2

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik:
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