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Union heisst diese CD und gemeint ist, dass
zwei unterschiedliche Yes-Lineups vertreten
sind.
Die renommierten Protagonisten sind:
Jon Anderson, Bill Bruford, Steve Howe, Tony
Kaye, Trevor Rabin, Chris Squire, Rick Wakeman,
Alan White
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Weiterhin vertreten sind
auf dieser CD Tony Levin (Peter
Gabriel, ex-King Crimson)
und noch 18 Gastmusiker.
Gelegentlich wurde vermutet, dass diese vielen Gastmusiker
tatsächlich den grössten Teil der Musik spielen
und die Yes-Leute kaum wirklich einmal ein Instrument
in die Hände bekamen.
Die beiden Yes-Mannschaften haben hier auch nicht zusammen
gearbeitet, sondern getrennt ihre Stücke aufgenommen.
Dabei stammt der Großteil von dem Team, das man als
Anderson Bruford Wakeman Howe bezeichnen würde
und nur wenige von den durch Owner of a lonely heart
bekannten Leuten.
Schaut man sich die Songwriter-Credits an, so könnte
man sogar soweit gehen, jeweils einen Song Howe,
Squire und Anderson solo zuzuschreiben, zwei
Songs Rabin und einen als
King Crimson-Song einzustufen.
Insgesamt waren hier neun verschiedene Producer am Werk.
Erstaunlicherweise merke
ich dieses ganze Personenwirrwarr der Platte überhaupt
nicht an! Für mich handelt es sich um ein jedenfalls
weitgehend einheitliches Werk. Selbst die Unterschiede der
Gitarren von Steve Howe und Trevor Rabin sowie
in den Drums kann ich nur bei Anstrengung heraushören.
Lediglich Tony Levins Bassspiel unterscheidet sich
doch recht deutlich von dem Chris Squires - zumindest
wenn man ihm den Raum lässt. Aber da ich auch King
Crimson mag, macht dies die Songs für mich nur interessanter.
Yes sind eine meiner
Lieblingsgruppen überhaupt und nur durch die "Gnade"
der späten Geburt, erwähne ich diese CD an dieser
Stelle und bin nicht gerade bei der Hitlist 1971 und
preise Fragile an.
Es gibt diese Gruppe ja sogar heute noch und ich muss sagen,
dass ich ihre letzten Veröffentlichungen nicht sonderlich
interessant fand.
Union kann man als Nachfolger einer Melange von ABWH
und Big generator auffassen und in punkto kurze, prägnante
Songs mit Innovation und Wiedererkennungswert sind hier tatsächlich
die besten Momente zusammengefasst. Viele der Songs sind kleine
Kunstwerke: ein ganzes Bündel frischer Ideen und witziger
Effekte in vier Minuten präsentiert. Und Tony Levin
übt wirklich einen nicht unbedeutenden Einfluss aus.
Mit etwas Übung und der Kenntnis seiner Soloplatte kann
man dann zwar doch die Songs mit Trevor Rabin erkennen,
aber sie fügen sich gut ein und liefern einen gewissen
poppigen Pepp.
Ich würde sagen, dass dieses die letzte wirklich bemerkenswerte
Yes-CD ist. Sie verharrt nicht in Klischees oder 70ies
Wiederholungen, bietet aber auch mehr als nur nette Popsongs.
Fast alle Stücke sind interessant in dem Sinne, als dass
sie wirklich Ideen, gutes "Songwriting" bieten.
Anspieltipps: Lift me up, Without hope you cannot start
the day, Dangerous, Take the water to the mountain
Das Konzert der Union-Tour,
das ich besuchte, war ein echtes Erlebnis: zunächst einmal,
diese acht Ausnahme-Musiker gemeinsam auf der Bühne erleben
zu dürfen. Weiterhin die Atmosphäre des Konzertes:
virtuos, künstlerisch, wie von einem anderen Stern.
Auch in seiner Dauer war es ausserirdisch: wir trafen bereits
eine Stunde vor dem Einlass ein und warteten vor der Halle.
Nach dem Einlass dauerte es noch über eine Stunde, bevor
es losging. Nach meiner Erinnerung gab es keine Vorgruppe.
Yes spielten fast drei Stunden. Mir brachen die Beine
ein hinterher. Das erstandene T-Shirt zählt noch heute
zu meinen Favoriten, auch weil ich die Cover von Roger
Dean wirklich gerne mag.
In der örtlichen Zeitung
hiess es damals nach dem Konzert: "Es schien, als wäre
es des Triumphators letzter großer Einmarsch [...]".
Da lag man wohl doch etwas daneben, denn Yes tourten
ja erst kürzlich wieder. Ich sah sie auch zwischenzeitlich
noch einmal und fand sie grossartig, wenn ich mich auch mit
dem neuen (inzwischen wieder entschwundenen) Keyboarder nicht
so recht anfreunden konnte.
Man darf sich natürlich nicht an dem seltsamen Outfit
der Leute stören (Stulpenstiefel plus Leggins mit Wampe
kommt echt gut!) und dem deutlich esoterischen Gelaber von
Jon Anderson (Lieblinsworte: Love und Sun!).
Jeder der Musiker für
sich genommen ist eine ganz besondere Kapazität und zusammen
erschufen sie mehrere Meilensteine der Rockmusik. Wie sieht
es mit den Solowerken aus?
Hier bewahrheitet sich mal wieder, dass das Ganze mehr als
seine Teile ist. Die Soloplatten bewegen sich zwischen "fast
so gut wie Yes" und "totale Scheisse".
Ich stelle eine kurze Liste zusammen:
Chris Squire: 2 Solos,
ich empfehle Fish out of water von 1975, eine schöne
Platte. Das neue Werk Conspiracy enttäuscht eher.
Jon Anderson: viele Soloplatten, meistens zu schnulzig,
poppig und schlicht. Lediglich der Erstling Olias of sunhillow
besticht durch eine sehr dichte Atmosphäre und Ähnlichkeit
zu Yes.
Bill Bruford: die Platten unter seinem Namen bzw. als
Earthworks dürften nur etwas für Spezialisten
mit einem besonderen Interesse an Jazz sein. Wer es etwas
ruhiger mag und sich auch nicht vor abgefahrenen Songstrukturen
scheut, dem sei aber Bruford Levin Upper Extremities
empfohlen (unter Mitwirkung von David Torn und Chris
Botti (Stings Trompeter)).
Wobei auch hier deutliche Jazz-Elemente zu bemerken sind.
Tony Kaye: hat keine Soloplatte. Badfinger und Detective
machten schnörkellosen Rock'n'roll.
Steve Howe: ist ein Gitarrist mit Leib und Seele und
das merkt man seinen Soloplatten an. Hin und wieder sind Anklänge
an Yes zu entdecken, oft sind die Songs aber hauptsächlich
an der Gitarre entlang geschrieben. Wenn er selber singt,
ruiniert dies meistens das Stück. Daher nur für
Fans.
Trevor Rabin: hat zunächst vor Yes drei
Soloplatten herausgebracht, von denen man die ersten zwei
vermeiden sollte. Seine CD Can't look away dagegen
ist kaum von den Yes seiner Zeit zu unterscheiden,
von daher also in jedem Fall empfehlenswert. Macht seit längerer
Zeit Soundtracks für schlechte Filme.
Rick Wakeman: hat unzählige Platten und CDs herausgebracht.
Teilweise handelt es sich um banale Werbemusik, teilweise
um esoterische Sphärenklänge oder auch um kleine
Rockopern. Die Qualität ist stark schwankend. Am ehesten
empfehlen würde ich ganz alte Sachen wie etwa Journey
to the centre of the earth (nicht den 2. Teil!) und No
earthly connection.
Alan White: seine Soloscheibe Ramshackled bringt
mir nicht viel.
Was die Yes-Leute angeht, sind vor allem die älteren
Sachen interessanter. Man wird wohl nicht um mühsame
Suche und/oder Reinhörsessions herumkommen.
Wer zunächst nichts
mit den alten Yes-Songs aus den 70ern anfangen kann,
sei beruhigt: ich war auch lange Zeit der Meinung, es handele
sich um vertrackten, unverständlichen Mumpitz!
Heart of the sunrise als ein Beispiel welches auch
auf einigen Best ofs enthalten ist, ist auf Anhieb nicht jedermanns/fraus
Sache. Das kann man verstehen und dennoch: es lässt sich
erschliessen. Nach und nach kann man sich an die ungewöhnlichen
Passagen gewöhnen und wenn das Stück als solches
erst einmal akzeptiert ist, wächst es immer weiter, weil
sich bei den nächsten Hördurchgängen immer
neue Aspekte und Details auftun. Damals wurde dieser Song
auch schon als sehr unkonventionell eingestuft.
Yes, die virtuosen Musik-Punks?
Nein, es ging ihnen nie darum, den Hörer zu entsetzen
oder Wut auszudrücken. Eher Peace, Eierkuchen und sowas.
Ein weiterer sich schwer erschliessender Höhepunkt der
frühen Jahre ist Close to the edge, das "long
song"-Meisterwerk.
Lediglich mit Relayer habe ich noch heute meine Schwierigkeiten,
was aber zum Teil auch an Patrick Moraz' fiependen
Keyboards liegt.
Abschliessend möchte
ich noch auf das Video Yesyears hinweisen (gibts gerade
bei 2001 billig). Wer sich für die Geschichte von bekannten
Rockbands oder die acht hier erwähnten Musikerpersönlichkeiten
interessiert und natürlich auch und vor allem wer sich
für Yes interessiert, sollte sich diese zwei Stunden
(in Englisch) nicht entgehen lassen: seltene Live-Ausschnitte,
aufschlussreiche Interviews und eine Chronologie der Bandgeschichte
in der auch die einzelnen Charaktere genauer zutage treten
und alle Bandmitglieder als sehr sympathisch (wenn auch teilweise
etwas weltfremd) erscheinen.
Yes sind es wert,
sich auf sie einzulassen. Sie haben weit mehr zu bieten, als
nur einige 80er Hits. Und: sie melden sich mit Union
auch zu Beginn der 90er eindrucksvoll zurück!
Stay alive and rock on,
Harvey
(6.6.02)
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