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The Misfits:
American psycho
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(1997, 39:36)
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Irgendwann in den 1990ern USA, Lodi, N.J.:
Jerry Only hat gewartet, bis das schwarze Licht
vollkommen ist und betritt dann den alten Friedhof.
Er geht seiner Liebe zu den Toten nach, die auch
einen unendlichen Hass auf die Lebenden mit sich
bringt.
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Ein ganz besonderer Hunger
treibt ihn heute Nacht und immer wieder reizt es ihn, ihre
Knochen auszugraben. Doch auf einmal sieht er ein Leuchten!
Befürchtend, der abscheuliche Dr. Phibes würde ihn
wieder von seinem Werk abhalten, spricht er wirr vom Teufel,
erkennt dann aber, dass es sich nur um den purpurnen Geist
handelt.
"Der Tag der Toten ist gekommen", haucht er Jerry
entgegen und bedeutet ihm, zu folgen. Eine wilde Hatz zwischen
den Steinen, von der einen Ecke zur nächsten, beginnt
und Jerry kommt sich bald wie ein amerikanischer Psychopath
vor. Auch sonst ist dieses Gräberfeld nicht so ruhig,
wie man vermuten möchte. Es spukt!
Als Jerry mit Schrecken bemerkt, dass er nicht nur zwischen
den Gräbern geht, sondern sogar zwischen den Toten, ist
der purpurne Geist an seinem Ziel angekommen. Eine riesige
Grabkammer, 1984 angelegt
und mit der Aufschrift "Nicht vor dem jüngsten Tag
öffnen" versehen.
Noch ehe der Geist etwas sagt, ist Jerry klar, was er zu tun
hat. Er spricht den geheimen Wiederbelebungszauber, den er
vor langer Zeit in einem vergilbten Buch gelesen hat und nur
Augenblicke später öffnet sich die Grabplatte und
drei vermoderte Gestalten kriechen aus dem dunklen Schlund!
Sie sehen aus, als kämen sie direkt aus der Hölle
und an den Instrumenten, die sie dabei haben, kleben noch
Schädel und Leichengewänder.
Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die drei Neuankömmlinge
stellen sich als "Michale Graves", "Dr. Chud"
und "Doyle" vor, kämmen sich eine Teufelslocke
ins Gesicht und legen los. Jerry zögert ebenfalls nicht
lange und Sekunden später erklingt ein überirdisch
lauter, rasend schneller Lärm, wie ihn wirklich nur vier
Aussenseiter produzieren können.
Ziemlich weit von diesem Ort entfernt, hört man den Krach
trotzdem noch. Ein Mann hat eine höllische Nacht, weil
er einfach kein Auge zubekommt. 'Jetzt reicht's aber', denkt
er sich.
Diese Insel namens Erde nervt ihn ja schon länger, doch
nun ist das Fass zum Überlaufen gebracht.
Er spricht einen Befehl und Mars greift an!
So, jetzt wisst ihr wie's sich zugetragen hat!
Ausgelassen habe ich allerdings den Part, bei dem Jerry ca.
hundertachtzigmal bei Glenn Danzig
angebettelt kommt, ob dieser nicht vielleicht wieder Sänger
seiner alten Band werden möchte oder ihnen doch bitte
wenigstens erlaubt, mal wieder aufzutreten. Die Antwort war
jedes Mal ein lautes "NEIN", das dann aber für
den zweiten Teil der Frage noch von einigen Rechtsanwälten
ungültig gemacht werden konnte.
Inzwischen, nach zwei Studioalben, sind die neuen Misfits
praktisch schon wieder Geschichte, doch Jerry hat noch immer
Hoffnungen, dass wenigstens die anhaltende Erfolglosigkeit
den Gott des Düsterposings zur Zusammenarbeit bewegen
könnte.
Eine gesunde Skepsis dieser
CD hier gegenüber war aber natürlich angebracht.
Die alten Misfits sind der Kult schlechthin und ohne
Danzig kann das ja garnix sein und bestimmt geht es
hier auch nur ums Geld scheffeln. Das waren genau meine Gedanken
und deswegen holte ich mir diese CD erst mal nicht!
Aber ich besuchte ein Konzert, weil ich doch gerne die alten
Hits (so quasi von einer Coverband) hören wollte. Das
Kick in Herford war bei weitem nicht ausverkauft und die Fans
mussten erst zwei unsäglich schlechte Vorbands ertragen,
bis es dann nach Ewigkeiten mal losging. Aber was folgte war
wirklich der Hammer!
Pogo bis zum Umfallen, eine beeindruckende Bühnenpräsenz,
nahezu alle alten Hits und viele neue Songs, die es wirklich
in sich hatten! Jerry Only hat ja in den Jahren doch etwas
zugelegt - sowohl an Muskeln als auch an Fett - war aber unheimlich
nett zu den Fans: nach der Show kam er noch mal raus, hat
Hände geschüttelt und Autogramme gegeben und einen
sehr freundlichen Eindruck gemacht. Dem steht natürlich
entgegen, dass er den kleinen Michale G. rausgeworfen hat
und dafür schon öfter mit echten Witzfiguren als
Frontmännern aufgetreten ist (oder ganz ohne Sänger!).
Nach diesem äußerst guten Konzert hatte ich also
zwei Wochen später die CD dann doch und ich kann es gar
nicht laut genug sagen: es hat mich aus dem Sessel gehauen!!!
Nochmals viel besser, als es das Konzert vermuten liess! Hier
findet man alles, was das Fiend-Herz höher schlagen lässt:
lustige Horrortexte (nicht so ein perverser Mist wie bei Glenn),
nettes Cover, hervorragende Melodien, Geschwindigkeit aber
nicht nur, guter Gesang!, eine anständige CD-Länge
(v.a. im Vergleich zu 20 minütigen LP's von früher)
und eine absolut feine Daniel Rey-Produktion. Wenn die Misfits
Ende der 70er/Anfang der 80er soviel Produktionbudget und
kompetente Leute an den Reglern gehabt hätten, dann hätten
sie vielleicht tatsächlich so geklungen wie hier.
Klar ist Michale nicht Glenn, aber sein Gesang passt
gut. Hin und wieder vermute ich, dass man ihn etwas tiefer
gedreht hat, als er tatsächlich klingt. Aber vielleicht
auch nicht.
Bei fast allen Songs kann man ausgezeichnet mitsingen, ähnlich
wie bei Night of the living dead oder Horror hotel.
Dies ist auch am ehesten die Phase des Original-Lineups, mit
der man die 18 Stücke hier vergleichen könnte. Schneller
und nicht so rock'n'rollig wie die ersten Sachen, aber auch
nicht so ein Prügellärm wie auf Earth A.D.
Famous monsters geht übrigens mit einigen der
Songs einen Schritt in diese beiden(!) Richtungen, ebenfalls
empfehlenswert!
Es mag natürlich einige Leute das heftige Posing der
Misfits abschrecken. Aber denen sei gesagt: sie nehmen
sich selbst nicht so ernst! Sie wissen, dass alles nur Show
ist und tragen absichtlich dick auf. Kommt für mich jedenfalls
viel sympathischer rüber als bei vielen von diesen modernen
Gruftmetal-Kombos.
Nach dem Kauf lief diese CD erst mal pausenlos bei mir und
noch heute ist sie ein Garant für gute Laune!
Stay alive and rock on,
Harvey
(14.2.02)
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