harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Rubicon: What starts, ends
(1992, 58:09)


Rubicon: What starts, ends
 
Was beginnt, endet auch wieder.

Hmm, ist das tiefgründige Philosopherei oder nicht?

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Ist das platter Scheiss oder vielleicht doch nicht?

Worum es bei dieser CD inhaltlich geht, kann ich nicht so genau sagen. Die Texte handeln irgendwie von Gefühlen, Selbstbeobachtung und wirken oft etwas durchgeknallt. Sie passen von daher zum düsteren Gesang und der bedrohlich wummernden oder wabernden Musik.
Der Titel der CD birgt aber dennoch zwei deutliche Bedeutungen, von denen die eine den Machern 1992 vermutlich nicht so sehr im Kopf herum spukte.

  1. Die legendären Fields Of The Nephilim waren gestartet und hatten geendet. Bis auf den Sänger hatten alle Leute von Rubicon diese kleine Reise (zumindest ab Dawnrazor) mitgemacht.

  2. Rubicon starteten als Nachfolger, der sich absichtlich von den Fields abheben wollte. Daher traten die Mitglieder Carl McCoy den Namen "Fields" gar nicht mal ungern ab und daher spielte man auch live von Anfang an keine alten Songs. Nun ist dies sicher auch mit der Grund, warum Rubicon nach einigen holprigen Jahren inzwischen auch wieder endeten.

Die Leute sind zur Zeit in verschiedenen Projekten tätig, eines davon ist die Reformierung der Fields mit McCoy, welcher in der Zwischenzeit auch weder besonders produktiv noch besonders erfolgreich war.

Ich will noch kurz erklären, warum ich das Ableben Rubicons mit ihrer Abgrenzung zu den Fields in Verbindung setze:
Wo immer man Berichte über Rubicon oder Rezensionen ihrer Platten las, so wurde immer darauf verwiesen, dass sie früher die Fields waren. Sie wurden immer mit diesen verglichen. Da sie sich aber so kompromisslos abgrenzten, kamen die meisten Schreiber zu dem Schluss, dies seien keine guten Nachfolger und diese Gruppe sei für Fields-Fans uninteressant.
Andere Interessentenkreise hatten gar nicht erst die Möglichkeit, sich mit der Gruppe zu befassen, da sie ja von vorneherein als Fields-Nachfolger vorgestellt wurde und diese Leute an der Stelle schon weiter blätterten. Und darin lag das Unglück der Gruppe, die wirklich phantastische Musik auf ihren leider nur zwei Studioalben präsentiert, welche aber allenfalls bei dem hier besprochenen Werk leichte Anklänge an die alten Fields zeigt.

Hier haben es Marillion vielleicht etwas geschickter gemacht, indem sie nach dem Split sowohl musikalisch zunächst wenige Neuerungen auffuhren, als auch immer noch live alte Stücke spielten (die dann zwar von einigen als Gotteslästerung betrachtet wurden, aber eben nicht von allen).
A propos: ein einziges Mal war es mir vergönnt, Rubicon live zu sehen und das war als Vorgruppe von Fish! Im Publikum ca. 1500 Hardcore-Fish-Fans, deren Reaktion man als Kenner dieser Spezies schon vorher vermuten konnte: die Band wurde ausgebuht.
Dabei boten sie ein sehr professionelles und mitreissendes Set, das aber natürlich mindestens eine Liga zu laut und heftig für den damaligen Progrock-Fan war. Heute wäre das vielleicht etwas anderes gewesen, denn inzwischen ist Prog-Metal ja auch etwas weiter verbreitet.

Jetzt könnte der Eindruck aufkommen, Rubicon würden Prog-Metal machen. Dies ist es aber nicht im entferntesten. Aber wie könnte man diese Musik bloß nennen?
Die Ingredenzien könnte man vielleicht als Grunge, Noise, Gitarrenrock, Wave-Rock und New Wave bezeichnen - vielleicht könnte man das Endprodukt aber auch aus ganz anderen Dingen zusammen rühren. Wenn ein Vergleich zu den Fields angestellt werden sollte, dann wäre am ehesten Elizium heranzuziehen, das von der Instrumentierung relativ ähnlich ist. Allerdings ist diese CD hier eben deutlich härter und und wo bei Elizium längere meditative Passagen sind, in denen relativ wenig passiert, dort hat man hier zwar auch Instrumentalparts, die aber rockiger klingen. Ausserdem hat der Sänger nichts ausser seiner tiefen Stimme mit Carl McCoy gemeinsam. Während Carl eher so ein Grabesröcheln von sich gegeben hat, so singt Andy doch tatsächlich und auch sehr gut.

Die zehn Songs liegen von der Länge her zwischen dreieinhalb und sieben Minuten, gehen oft ineinander über und sind atmosphärisch sehr dicht und musikalisch zwar einheitlich aber nicht unabwechslungsreich. Ich würde schon meinen, dass viele Prog-Fans bei genauerem Hinhören Gefallen an dieser Musik finden könnten, aber natürlich auch Fans von Düstermetal oder abwechslungsreichem Seattle-Zeug. Es war denn nach dem oben erwähnten Fish-Konzert in dessen Fanclubgazette auch zu lesen, dass einzelne Leute sich tatsächlich hinterher die CD kauften und sie gut fanden.

Hinzufügen sollte ich vielleicht noch, dass der Bassist Hansa-Pils während des Konzertes trank. Kommt ja schon mal cool, ABER: er schüttete sich das Zeug aus einer Dose erst in ein Glas, bevor es dann in seinen Rachen weiter wanderte! Mit Dosen können die Briten wohl nicht richtig umgehen.

What starts, ends kaufte ich mir damals direkt nach dem Erscheinen für teuer Geld und zwar vor allem, weil ich die Fields toll fand. Deren Lebzeit hatte ich zwar knapp verpasst, war aber kurzzeitig trotzdem fanatisch genug, mir solch ein Werk der Nachfolger mit nur minimalem Reinhören direkt zuzulegen.

Wenn ich nun vor hatte, bei Kerzenschein und Räucherstäbchen nachts allein in meinem winzigen Wohnheimzimmer dieser Musik zu lauschen, so wie ich es auch mit den Fields tat, so war dies durchaus möglich, denn es finden sich auch mystische Elemente in der Musik und Abspacen kann man ja sowieso zu vielem.
Dennoch ist der eigentlich Einsatzort dieser Musik eher die voll aufgedrehte Anlage - meinetwegen trotzdem im Dunkeln - möglicherweise auch mit abrockenden Leibern, wobei ich dieses niemals erlebt habe. Höchstens mal ein Leib, nämlich meiner.
Jedenfalls denke ich, diesen grollenden Bass, die perfekt aufeinander abgestimmten zwei Gitarren und das Wechselspiel von ruhigen Parts voll hintergründiger Spannung und vorsichtigen Keyboardeffekten sowie den lauten, rockenden Passagen an denen der Sänger inbrünstig seinen Text schrei-singt ist ausgesprochen gelungen.
Es kann eigentlich nur am schlechten Image-Management und vielleicht der Promotion liegen, dass diese Platte in der Versenkung verschwand. Ohne Zweifel ist es das unbekannteste Teil in dieser Hitlist und mit der zweiten CD ging es den Fünfen auch nicht besser. Hier versuchten sie sich sogar musikalisch noch mehr von ihren Wurzeln zu lösen, liessen dafür aber gelegentlich die klare Linie und die Power an den richtigen Stellen vermissen. Dennoch ist auch Room 101 eine nette CD, deren Singleauskopplung (Insatiable - allerdings nicht typisch für den Rest der CD) ich sogar einmal im Musik-TV sah!

Anspieltipps von dieser CD: Crazed, Unspoken, Rivers.
Ganz erschliessen wird sich die Musik dem Hörer aber sicher erst bei mehrmaligem Anhören der kompletten CD.


Stay alive and rock on,
Harvey
(28.2.02)



Rubicon
(England)
Hervorgegangen 1991 aus den "Fields Of The Nephilim", inzwi-schen aufgelöst
Erste VÖ 1992 "What starts, ends" -CD

Besetzung 1992:
Andy Delany: voc
Peter Yates: guit, keys
Paul Wright: guit
Tony Pettitt: b
Nod Wright: dr, keys

Link
Blue water
The nephilim
Elizium
Sumerland

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: