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Hitlist
 




Del Amitri: Waking hours
(1994, 67:58)


Del Amitri: Waking hours
 
Eben muss ich daran denken, dass Del Amitri ja Schotten sind, und dass ich besonders viele schottische Bands gut finde.

Dabei fällt mir auf, dass in dieser Hitlist ausschliesslich(!) Briten die Urkunden für hervorragendes Airplay in meinem Player abräumen.

Hab' ich wohl eher ein Faible für. Aber warten wir mal auf die dritte Hitlist, da sieht das bestimmt ganz anders aus.

Was nun DA's Waking hours angeht, so verwenden sie hier klassische Rockinstrumente plus einige Folkinstrumente. Ich würde das Folk- und Country-beeinflussten Rock nennen. Hank hingegen wäre der Meinung, für Rock rocke das nicht genug.

Aber ist es Pop? Was ist Pop?

Ist Pop alles was irgendwie populär ist? Dann wäre viel von Hanks Rock doch Pop.
Man könnte Pop auch als etwas definieren, das absichtlich versucht, beim Konsumenten besonders gut anzukommen, also viel zu verkaufen. Doch welche halbwegs bekannte Band tut dies nicht? Frage ist natürlich, in wieweit sie sich dadurch in ihrem Sound kompromittieren lässt und wie gross der Konsumentenkreis ist, der angesprochen werden soll.
Würde man Pop dementsprechend eher als das was wirklich kommerziell erfolgreich ist bezeichnen, so fallen viele Leute raus, die definitiv nicht Musik um ihrer selbst willen machen, aber halt dennoch nix verkaufen (die Wühltische sind voll mit diesem Zeug, wie ich nur zu gut weiss, da ich sie dauernd durchwühle).

Oder ist Pop alles, was beim Major-Label gesignt ist? Das wäre aber viel Pop.
Alles was irgendwie soft ist? Dann wären ja auch Camel oder die Esoterikplatten von Rick Wakeman Pop. Aber wer kennt die?

Es ist eine verteufelte Scheisse, ich weiss einfach nicht was Pop ist! Und würde ich es durch den Begriff "Mainstream" ersetzen, so bringt das auch nicht wirklich was, weil wieder alles Interpretationssache ist.

Also, was die populären Anteile von Waking hours angeht, so sind feine Melodien, ordentliche Refrains und eine Songspieldauer von drei bis fünf Minuten vorhanden.
Nothing ever happens
läuft auch heute noch öfter im Radio. Tanzen könnte man allerdings zu dieser Mucke nur als Fan.
Sie ist oft ruhig, viele Akustikgitarren spielen mit, aber überwiegend traurig oder sogar romantisch ist sie nicht. Eine der fröhlicheren von DA. Zumindest von der Musik her, die manchmal etwas im Gegensatz zu den Texten steht (aber die sind ja in Englisch, wer versteht das schon?).
Die Texte handeln doch meistens von komplizierten Beziehungskisten oder der ernüchternden Alltagsrealität. Sehr sarkastisch oder auch in schöne Wortspiele verpackt. "Stone cold sober, looking for bottles of love" gefällt mir besonders gut. Auch ansonsten sind die Texte sehr gut.
Ich bin bestimmt nicht so durchgeknallt wie Justin Currie und habe auch diese seltsamen Dinge und Tonnen von Beziehungsproblemen die er so beschreibt zum grössten Teil noch nicht selbst erlebt, dennoch kann ich mich mit den Texten identifizieren.

DA sind eine dieser Gruppen, von denen ich denke, sie könnten meine Freunde sein, wenn wir uns denn kennen würden. Sie sind auch nur 5-10 Jahre älter! Aber so was ist natürlich Unsinn, denn von den Texten und der Musik her kann man die Typen noch lange nicht einschätzen (siehe - heftiges Beispiel- Charles Manson, der anscheinend auch 'n paar nette Songs geschrieben hat). Und trotzdem hofften Erwin und ich dann nach dem Konzert in HH, wir würden die Jungs noch anschliessend auf unserer Kneipen/Disco-Tour treffen und könnten ein paar Pils mit ihnen weghau'n. Vorher hätten wir (jetzt wird's grammatikalisch abenteuerlich) wahrscheinlich auch nicht gewusst, was wir mit den Fremden reden würden.
Ein früherer Freund von mir hat mal (zufällig!) Nick Cave backstage getroffen und sich eine halbe Stunde mit ihm unterhalten! Trotzdem sind sie meines Wissens nach keine Freunde geworden und der Kumpel spielte auch nicht auf der nächsten Platte mit.

Jedenfalls haben DA mit die besten Texte von allen Gruppen, die ich so kenne. Diese CD hier klingt im Vergleich zu neueren Sachen weniger produziert, etwas seichter im Sound. Vermutlich handelt es sich bei den Songs auch grösstenteils um live schon länger erprobtes Material, da die Band nach der ersten LP zunächst länger keinen Plattenvertrag hatte. Mit diesem Teil hier war der Vertrag dann jedenfalls gerettet.

Auch Harvey hat sein Geld gegeben, und das Ding ist nach kurzer Reinhörphase ein Dauerbrenner im CD-Player geworden und gefällt sogar Frauen! Die Texte sprechen zwar eher Männer an, aber - wie gesagt - die sind ja auch in Englisch.


Stay alive and rock on,
Harvey
(22.11.01)



Del Amitri
(Schottland)
Gegründet 1982
Erste VÖ 1983 "Sense sickness" Single

Besetzung 1989:
Paul Tyagi: dr
Mick Slaven: guit
Iain Harvie: guit, b
Justin Currie: voc, b, guit

Link
Change everything
Twisted
Some other sucker's parade
Not where it's at
Don't come home too soon
A terrible beauty
What is love for

Anspieltipp:

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: