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Peter Gabriel: Us
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(1992, 57:51)
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Als ich noch zur Schule ging und abends mit
Freunden abhing, da lief sehr oft Peter Gabriel.
Vorzugsweise "2", "3", "4"
und "So", welches auch meine ersten
CDs von ihm waren (in der Reihenfolge "3",
"So", "2" und mit einigem
Abstand "4").
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Von diesen ist aber keine
in dieser Hitlist dabei. Das liegt u.a. daran, dass ich die
alten Peter Gabriel-Sachen in den letzten Jahren wenig
gehört habe.
Us hingegen ist weniger
eine Jugenderinnerung und meine Begegnung mit dieser Platte
verlief auch zunächst nicht so euphorisch.
Als 1992 Digging in the dirt und Kiss that frog
im Radio und Musik-TV liefen, gefielen sie mir nicht besonders.
Ein Kumpel hatte natürlich sofort die ganze CD und ich
erinnere mich noch, dass wir sie auf der Fahrt zu einem Konzert
im Auto hörten (ich tippe mal Big
Country in Bochum, könnte aber auch Chandelier
gewesen sein - Us war schon ein paar Monate alt).
Ich mochte wohl den P.G. der oben erwähnten Platten,
war aber für die Neuerungen von Us wie Drumloops,
massive Ethnoklänge und innovative Songstrukturen nicht
sehr offen, so dass die CD bei mir durchfiel.
Ich muss hinzufügen, dass ich zu der Zeit auch gerade
nicht so besonders an Herrn Gabriel interessiert war.
Ich hörte die alten Sachen kaum noch (war eher die Punkphase).
Ausserdem strahlt Us tatsächlich eine etwas sterile
Atmosphäre aus (die sich nach mehrmaligem Hören
dann aber legt), was sicher an Peter Gabriels Arbeitsweise
des "zusammen bastelns" von Songs aus hunderten
von Soundbits und Instrumentspuren liegt. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig
und einige Songs dieser CD klingen live besser, weil organischer
und von Ballast befreit (andere hingegen sind hier interessanter
da vielschichtiger).
Also, ich mochte die Platte nicht. Als ich kurz darauf den
CD-Verleih in meinem Wohnort entdeckte, begann ich meine Kassettensammlung
und meine Musikkenntnisse dramatisch zu erweitern (schade,
dass es noch keine CD-Rekorder gab). Im Zuge dieser monatlichen
Ausleihaktionen (auf die ich mich schon immer freute und extra
den ganzen Nachmittag zum Aufnehmen freihielt) gab ich dieser
CD noch mal eine Chance.
Ich nahm sie auf, hörte sie einmal und fand sie nicht
gut.
Das war's dann erst mal für längere Zeit. Über
ein Jahr nach dem Erscheinen sah ich Us dann im Wühltisch
für DM 10.- und dachte mir, "Das soll sie wohl wert
sein, ist ja immerhin von Peter"! Als ich das
Teil dann besass, hörte ich es mir auch mehrmals an und
dann - endlich - entdeckte ich seine Genialität.
Aber ich schätze, in weniger als vier Durchgängen
kann man sich diese CD auch nicht erschliessen. Sie ist ein
wenig schwierig, fast wie die Beziehungen, um die es hier
textlich hauptsächlich geht. Es finden sich sehr ruhige,
aber nicht langweilige Stücke wie Washing of the water
und Fourteen black paintings und etwas emotionalere
(aber dennoch relativ ruhige) wie Come talk to me,
das P.G. geradezu vor dem Inneren Auge erscheinen lässt,
wie er seine Partnerin anfleht. Die bekannteren Singles (s.o.
plus Steam) sind die schnellsten und für mich
die schwächsten Songs, obwohl sie nicht schlecht sind.
Ich denke, diese Platte hört man sich am besten alleine
und sehr aufmerksam an (für den Anfang jedenfalls). Nun
mag es sein, dass wir - wäre es anno 1989
gewesen - ebenso wie mit unseren anderen beliebten CDs abends
bei dieser Musik gesoffen und viel Spaß gehabt hätten,
aber wahrscheinlich hätten wir sie nicht aufgelegt, weil
wir sie alle nach ein- bis zweimaligem Hören irgendwie
komisch gefunden hätten. Wir haben sie auch tatsächlich
nicht aufgelegt, aber 1992
sahen wir uns auch nicht mehr so häufig.
Was natürlich vielen Leuten (uns damals auch) entgangen
war, ist dass P.G. zwischen So und Us
noch Passion rausgebracht hatte, den Soundtrack zum
Film Die letzte Versuchung Christi. Ebenfalls eine
sehr gute (aber rein instrumentale) Platte, die zum Verständnis
von Us beträgt (aber auch sein am schlechtesten
verkauftes Musikprodukt ist).
Produziert wurde Us
von Daniel Lanois, der allerdings
am Ende auch etwas genervt war, nachdem P.G. Jahre
brauchte, um seine Ideen zu sortieren.
Unter "extra brainstorming" ist dann auch noch Brian
Eno erwähnt. Neben Peters Stammband haben
hier noch Dutzende anderer Musiker mitgemacht, von denen einigen
auch nur für ihre Mitwirkung an nicht veröffentlichten
Songversionen gedankt wird. Mann, diese Versionen würde
ich ja gerne mal hören! Doch die werden wohl für
immer im Safe des Meisters bleiben, in dem auch noch alte
Genesis-Demos lagern, für
die mancher Fan sein letztes Hemd geben würde. Wenigstens
hat er auf diversen Maxis ein paar Alternativversionen unters
Volk gebracht.
Was bis heute fehlt, ist der Nachfolger dieser tiefgründigen
Psychoanalyse mit Namen Us. Anscheinend braucht der
Mann mit den Jahren immer länger (ob das überhaupt
noch ein Producer durchstehen kann?). Nun hat er zwar eine
neue CD mit Namen OVO aufgenommen, doch ist diese nur
ein Übergangswerk ähnlich Passion. Angesichts
der Klasse von Us glaube ich jedoch noch immer daran,
dass die lange Warterei sich lohnt und noch mindestens eine
CD vor seinem Tod erscheinen wird.
Stay alive and rock on,
Harvey
(6.12.01)
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