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U2: The Joshua tree
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(1987, 50:12)
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Häh? U2?
Hatte ich nicht in der vorigen Hitlist gesagt,
ich sei kein echter Fan von denen und dann umständlich
gerechtfertigt, warum ich diese Live-CD so toll
finde?
Und jetzt schon wieder ein Teil von U2! Und dafür
lasse ich dann Dauerbrenner wie "The crossing"
oder "Lamb" aussen vor?
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Tatsächlich, und ich
habe mir das gut überlegt.
Wie schon mal erwähnt, nahm ich mir diese Platte auf
Kassette auf, kurz nachdem sie erschien. Ich fand sie damals
ganz gut und hörte sie oft, verlor aber irgendwann das
Interesse und überspielte die Kassette mit irgendwas
anderem.
Solches ist in jungen Jahren oft ein Fehler. Ich habe das
schon bei mehreren Tapes später bereut und ebenso bei
einigen CDs, die ich in bestimmten Phasen verkaufte. So verscherbelte
ich mal zur Zeit meiner Punk-Entdeckung alle CDs von Phil
Collins, weil Pop scheisse ist und P.C. insbesondere
ein Arschloch. Später musste ich erkennen, dass Pop nicht
immer scheisse ist und diese Musik meine Jugend mit geprägt
hatte, ganz egal wie Phil Collins auch immer drauf
ist (was ich nicht wirklich beurteilen kann).
Andererseits habe ich den Verkauf meiner Warlock-CDs
nie bereut ("Stay hard, true as steel... we're going
down in history" - gröhl, ich kann den Text noch
heute). Doch mit dieser Kassette verhielt es sich noch etwas
anders. Erst als ich von Tino alle U2-CDs auslieh,
erinnerte ich mit wieder und wunderte mich, warum ich diese
Musik wohl überhaupt überspielt hatte.
Was ist das besondere an Joshua Tree? Nun, die Atmosphäre
könnte ich mal wieder sagen. Ich finde, dass diese Platte
mit älteren Vorgängern und neueren Nachfolgern (Rattle
and hum als zusammengestückeltes Werk lassen wir
mal aussen vor) nicht allzu viel gemein hat. Sicher, Bonos
Gesang verändert sich nicht so grossartig und die Gitarre
ist hier sehr typisch auch für die älteren Sachen.
Doch etwas ist anders: die elf Stücke bewegen sich alle
zwischen drei und fünfeinhalb Minuten Länge. Typische
Singlelängen und die Singles (z.B. I still haven't
found what I'm looking for oder With or without you)
waren auch sehr erfolgreich. Ich mag sie auch, was bei so
abgedudelten Songs nicht selbstverständlich ist. Aber,
was ich eigentlich sagen wollte, es stecken in diesen jeweils
drei bis fünf Minuten so viele Ideen, interessante Melodien,
Effekte und auch oft mehr als vier Instrumente, dass es mir
hin und wieder so vorkommt, als hätte ich einen 6-7 minütigen
Song gehört. Diese Dichte der Musik ist sicherlich auch
den Produzenten Daniel Lanois
und Brian Eno zu verdanken, die hier auch beide mitmusizieren.
Das ganze vermittelte bei mir nicht gerade den Eindruck von
"Wüste" (eher schon "Irland"), aber
das ist auch egal. Jedenfalls ist dies eine CD, die man zu
fast jeder Gelegenheit auflegen kann: Musik die nie stört
aber auch nicht einschläfert. Falls gerade Besuch da
ist, ist sie ebenfalls eine gute Wahl, da jeder die Hits kennt
und nur die wenigsten da meckern werden. Damit erschöpfen
sich meine Erklärungen dann allerdings.
Ein Detail ist mir noch aufgefallen: "additional engineering
by Dave Meegan". Dave Meegan? Jo, das ist der Mann, der
ein paar Jahre später Marillions
Brave produziert
hat. Zu der Zeit war im Marillion-Fanclubheft zu lesen,
ihr neuer Producer sei ein Jungspund, der sich erstmal die
ganzen alten Yes-Platten hätte
anhören müssen, um herauszufinden was denn Progressive
Rock ist. So, so.
Das hätte er sich vielleicht schenken können, denn
die hier gelobte CD ist ja wohl Vorbildung genug (auch wenn
das kein Prog ist, ich weiss). Ob es für Brave
unbedingt notwendig war, noch Close to the edge zu
kennen? Wohl weniger. Hier waren Marillion nicht so
sehr informiert.
Nunja, ich wünsche mir, U2 würden sich mal
wieder auf ordentlichen Gitarrensound zurück besinnen
und noch einmal eine CD wie diese aufnehmen. Mit Joshua
Tree gelang ihnen weltweit der Durchbruch zur Rockelite
und das zu Recht will ich meinen. Vielleicht ist es aber auch
ganz gut, dass sie diese Scheibe nicht noch etliche Male kopiert
haben, denn dann würde das wahrscheinlich ihren Eindruck
schmälern: U2's best.
Stay alive and rock on,
Harvey
(13.12.01)
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