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The Cure:
Paris / Show
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(1993,
57:41) / (2-CD, 1993, 88:48)
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Diesen
beiden Liveteilen stand ich bei ihrer Veröffentlichung
1993 sehr skeptisch gegenüber.
Erstens waren die beiden vorigen Liveaufnahmen
von Robert Smith & Co. nicht so der Hit.
Zweitens schien mir die Tatsache, dass gleich
drei CDs auf den Markt kommen, doch ein bisschen
Fan-Ausbeuterei zu sein.
Wenn man nun die Spielzeiten addiert, sieht man:
wäre wohl so knapp auf zwei CDs drauf gegangen.
Dem kann man aber entgegen halten, dass die beiden
Aufnahmen von zwei unterschiedlichen Örtlichkeiten
stammen (einmal nämlich - wer hätte
das gedacht - Paris, und zum zweiten Auburn Hills,
USA).
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Es erscheint mir unwahrscheinlich,
dass Cure an diesen Terminen ein komplettes Set gespielt
haben, das aus genau beiden Aufnahmen zusammen bestand. Eher
war Paris eine Ausnahme, denn hier sind (für mein
Gefühl) auch mehr unerwartete Songs drauf. Weiterhin
steht auf der Paris-CD, dass 50% der Einnahmen dem
Roten Kreuz gespendet werden, was ja auch ganz lobenswert
ist. Fragt man sich nur: warum nicht 100%?
Damit wäre dann also der zweite Punkt meiner Skepsis
mehr oder weniger entkräftet. Was nun den ersten angeht,
so muss man beim Anhören feststellen, dass diese Liveaufnahmen
wirklich erstklassig sind. Der Sound stimmt, Musiker und Sänger
sind in guter Form und die Interpretationen der Stücke
sind ein Ohrenschmaus.
Als nicht über The Cure informierter Mensch mag
man vielleicht meinen, diese Gruppe hätte immer schon
in etwa "dieselbe Deprimucke" gemacht.
Dem ist aber nicht so. Während die Songs ganz am Anfang
spartanisch und etwas punkig klangen, dann verschiedene Wandlungen
durchmachten, von denen Japanese whispers die drastischste
darstellte, befand man sich 1993
(aktuell Wish, Vorgänger Disintegration)
bei sehr vielschichtigen, atmosphärisch dichten Stücken.
Und dieser neuere Stil wird auch bruchlos und gelungen auf
die älteren Stücke übertragen.
Hier stehen eben fünf
Leute mit Instrumenten auf der Bühne und nicht nur drei.
So kann ein älterer Song schonmal einige Minuten länger
werden. Das muss man natürlich mögen. Mir gefällt
dieser Stil aber ausgesprochen gut, ich habe nichts gegen
fette Keyboards und lange Gitarrensoli. Hier kann man gut
mental in andere Welten abtauchen oder auch (ja, klar) dem
Liebeskummer frönen oder sonst irgendwie abfrusten.
ABER: die Musik ist keineswegs prinzipiell traurig oder depressiv.
An dieser Stelle muss ich mich mal den Cures anschliessen,
die sich immer wieder abgemüht haben, zu betonen, dass
sie nicht dauernd suizidgefährdet sind. Es gibt fröhliche
Stücke, die Texte sind auch nicht so endzeitmässig
wie man immer denkt und die Leute nehmen sich gar nicht so
ernst, wie es ihr Image vermuten lässt.
Natürlich ist die Musik ruhig, natürlich hat Robert
Smiths Stimme oft etwas Klagendes und natürlich geht
es in den Stücken sehr oft um Komplikationen und Enttäuschungen
im Zwischenmenschlichen.
Dennoch hängt das Empfinden
bei dieser Musik (und ich würde auch sagen: bei fast
jeder Musik) sehr stark davon ab, mit welcher Einstellung
man an sie ran geht. Bin ich sowieso schon schlecht drauf,
so kann ich nicht unbedingt erwarten, dass gerade diese CDs
meine Laune heben. Habe ich aber 'ne Superstimmung, so werden
diese CDs sie auch nicht killen. Obwohl ich zugeben muss,
dass ich bei Superstimmung eher was anderes wählen würde.
Diese Livescheiben ziehe ich zum Beispiel aus dem Regal, wenn
ich was unaufdringliches nebenbei hören möchte,
oder etwa am Ende eines langes Tages noch was zum genauen
Zuhören und drin versinken suche.
Vertreten sind hier also insgesamt 29 Songs aus ganz unterschied-
lichen Zeiten. Die aktuelle LP ist sehr stark dabei, aber
das ist gut so, denn sie war auch ausgesprochen gut und viele
der Stücke würde man auf (fiktiven) späteren
Livealben wohl nicht mehr zu hören bekommen. Meine beiden
"Hass-Songs" von Cure - The walk und
Close to me - sind auch enthalten, wobei der Walk
mir in der Version hier richtig gut gefällt. Close
to me schafft es immerhin, dass ich nicht sofort weiterskippe.
Ein weiteres Stück, das ich überhaupt nicht leiden
kann ist zum Glück nicht hier drauf: Hot hot hot,
aber das hätten sie vermutlich auch nicht so hingekriegt,
dass ich es mir angehört hätte.
Ansonsten eine nette Mischung
aus Singles und nicht-Singles. Ich wollte jetzt gerade nachzählen,
wieviele Singles nun genau, kriegs aber nicht auf die Reihe,
sagen wir mal ca. 16. Meistens eher die langsameren Sachen,
aber dafür bilden die Songs auch eine Einheit, alles
fügt sich gut aneinander. Für mich gibt's da nichts
zu meckern.
Stay alive and rock on,
Harvey
(6.9.01)
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