harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Aprilmusik 2009


Ramones: Family tree
 

Ramones: Family tree
(2-CD, 2008, 383:32)

Oh Freude, auch Jahre nach ihrem Ende gibt es von den Ramones bzw. den (ex)-Mitgliedern immer noch tolle Sachen zu entdecken!

Oh scheiße ey, ich sitze hier bei offenem Fenster, höre Musik und tippe (nach langer Pause mal wieder) Hitlist. Das ist schön, das ist toll und der Einbecker Maibock macht's noch besser. Aber durch das Fenster kommt die sommerliche Nachtluft rein. Gut, denn die kühlt, aber zugleich hat sie DIESEN Geruch.
Oh mann, warme Sommerluft macht mich schwach. Ich erinnere mich dabei immer an erste Parties mit 16/17, an jugendliche Unbeschwertheit und Lebensfreude und das hat direkt zur Folge, dass ich mich alt fühle und den vergangenen Zeiten nachtrauere.
Bescheuert, denn bis auf diese einmaligen Erinnerungen und eben die Verantwortungslosigkeit des Daseins war es überhaupt nicht besser damals. Im Gegenteil, ich mag den Harvey von heute lieber und weiß auch noch, wie oft ich mich zu Jugendzeiten scheiße gefühlt habe. Die erhebenden Erlebnisse bei geiler Sommerluft bildeten eher die Ausnahme.
Aber wahrscheinlich ist das die übliche Romatisierung der Vergangenheit und zudem ist natürlich der Punkt mit der Verantwortung und Unbeschwertheit (Unschuld) nicht zu verachten.
Ich fühle sie ständig auf meinen Schultern lasten, die Verantwortung. Sie beschwert mich deutlich. Und nicht nur die für mich selber, für die verfickte Zukunft, sondern auch diejenigen durch den Job, für andere, für bestimmte Tätigkeiten und für die "Gesellschaft". Ach scheiße ey, das sollte ich besser nicht vertiefen.

Als ich die Ramones kennen lernte, war ich mitten in der Sommerluft-Party-Feelgood-Zeit. Trotzdem verbinde ich sie gar nicht so sehr mit diesem Freiheitsgefühl, sondern vielmehr mit guter Laune und Anderssein. Das war für mich extrem abgefahren damals, solche Musik zu hören.
Jetzt, bald 20 Jahre später, sind die Ramones immer noch eine meiner Lieblingsbands. Ich kann sie differenzierter hören und mit viel Erfahrung beurteilen, aber fuck that shit, sie mach(t)en einfach den genialsten Punkrock überhaupt!

Eine Family Album war da eine überaus geniale Idee. Bisher irgendwelchen Dinosaurierbands vorbehalten, geht es beim Family tree (wie es hier heißt) darum, die Solo- und Nebenprojekte der Mitglieder zu verfolgen. Die können ja in der Regel den Fan ebenfalls begeistern und somit kriegt er mal einen Überblick. Und bei der hier vorgestellten CD kommt noch hinzu, dass einige der Songs echte Raritäten sind, die man sonst nur schwerlich oder teuer bekommt.

Ein kleines Manko gleich vorweg: zumindest bei mir sind die CDs wohl minderwertig gepresst, denn CD1 läuft immer erst nach 30 Sekunden Player-Suchen an und das bedeutet auch, dass Shuffle grundsätzlich nicht geht. Naja.
Ansonsten gibt's hier nur zwei Songs bei denen die Ramones auch Interpreten sind: ganz alte Demos, welche aber meines Hörens nach auch auf der Remastered-Version des Erstlings Ramones sind.
Bereits kennen tue ich die Coverversion der Toten Hosen von Blitzkrieg bop (ganz ok), Osaka Popstar mit The KKK took my baby away (eher weniger gut), die Solosongs von Dee Dee (gut) und die zwei Stücke von Joey Ramones Sibling Rivalry EP (gut).
Dazu erfreue ich mich an zwei raren Stücken mit Johnny Ramone an der Gitarre (einmal davon auch Lemmy mit dabei), drei Gastauftritten von Joey an den Vocals, guten Songs von C.J.s neuer Band, einem coolen "Bowery Electric" Song und weniger an einem leider schwachen Demo von Joey (angeblich soll noch eine zweite, posthume Soloplatte erscheinen).

Insgesamt eine lohnenswerte Angelegenheit für den Fan und zusätzlich einfach gute Musik, 28 Stück rocken wie die Ramones, ein Fest!!
Ein großer Dank an die südamerikanischen Initiatoren dieser CD, die sich den Arsch abgearbeitet haben, damit das auch mal irgendwann tatsächlich erscheint. Und ein tolles Booklet mit vielen Infos zu den Songs ist auch noch dabei! Kaufen!





Ramones

(USA)
1974 gegründet
1996 aufgelöst
1976 erste VÖ "Ramones"-LP

Besetzung:
Joey Ramone: voc
Johnny Ramone: guit
Dee Dee Ramone: b (bis 1989)
C. J. Ramones: b (ab 1989)
Tommy Ramone: dr (bis 1978)
Marky Ramone: dr (1978-83, ab 1987)
Richie Ramone: dr (1983-87)


Link
Ramones
Blitzkrieg bop
I wanna be your boyfriend
Leave home
Gimme gimme shock treatment
Rockaway beach
Rocket to russia
It's alive
Road to ruin
7-11
Howling at the moon
Halfway to sanity
Brain drain
Loco live
Mondo bizarro
Acid eaters
I don't want to grow up

Anspieltipp:


Fairport Convention: The wood & the wire
 

Fairport Convention: The wood and the wire
(1999, 60:44)

Das Oeuvre von Fairport Convention ist ja recht unübersichtlich. Erfreulicherweise habe ich mal wieder eine sehr gute CD entdeckt.

Tatsächlich kamen Fairport Convention hier noch nie vor, obwohl sie eine Folk Rock-Institution sind und mittlerweile seit über 40 Jahren existieren.
Das liegt allerdings auch daran, dass ihr Studio-Output meistens eher mittelprächtig ist: gute Songs vermischt mit weniger guten. Von ihren ca. 23 Studioalben besitze ich nur fünf, dazu allerdings mehrere Liveaufnahmen und Compilations. Außerdem habe ich auch zwei oder drei handvoll Soloalben der zahlreichen (ex-)Mitglieder. Somit denke ich, dass ich die Band ganz gut kenne und mir scheint, dass sie live am besten ist. Zwar sind gerade die ersten Alben Ende der 60er / Anfang der 70er auch in Kritikerohren besonders wertvoll, jedoch gefallen mir auch dort nur einzelne Songs.
Mein Eindruck ist, dass Fairport sich in den 80ern Jethro Tull angenähert hat und das wäre auch nicht verwunderlich, weil diverse Fairport- Mitglieder Gastspiele bei Tull gaben (am bekanntesten Bassmann David Pegg).
The wood & the wire ist davon insofern eine Abkehr, als es ein fast rein akustisches Album ist, das wenig "rockt". Aber ok, auch Tull haben - ein wenig später - manches Mal Akustisches dargeboten. Auf dieser Platte steht die Geige weit im Vordergrund und den Leadgesang übernimmt in vielen Fällen Chris Leslie, der auch fast alle Songs geschrieben hat. Leslies Stimme ist in Ordnung, aber ich mag die von Simon Nicol lieber. Seine ist für mich "die" Fairport-Stimme, auch wenn es die in echt nicht gibt.
Auf der anderen Seite bietet The wood and the wire Folk wie ich ihn mir vorstelle. Oftmals ein wenig melancholisch, trotzdem mit Tanz- oder Mitschunkeldruck und eben schön instrumentiert mit "folkigen Instrumenten". Insofern weichen auch die ganz alten Fairport-Scheiben von dieser Vorstellung ab, denn die sind zwar melancholisch und auch mal akustisch, aber Mandoline, Violine und auch die Schunkelatmosphäre bilden nicht den Schwerpunkt.

Besonders hervorzuheben sind meiner Meinung nach The heart of the song (wunderschöner Nicol-Gesang)), A year and a day (romantisches Instrumental), The game pieces (Tanz-Folk at its best).

Ein großer Wunsch von mir wäre es übrigens, mal das Cropredy-Festival zu besuchen. Das muss doch einfach der Hammer sein! Auch für dieses Jahr haben sie ein 3-Stunden-Set angekündigt! Und immerhin bin ich ja bereits einmal in der Genuss eines Fairport-Gigs gekommen (der allerdings kürzer war) und habe die magische Atmosphäre dabei bereits zu spüren bekommen. Wer hat jemals gesehen, dass der Sänger einer Band ob seiner eigenen Songs so bewegt ist, dass er zu weinen anfängt? Und wer Dave Pegg kennt, weiß dass dieser immer für einen kleinen Blödsinn und einen witzigen Spruch zu haben ist.
Eine sehr symapthische Band, die hier (also '99) zudem ein ausgesprochen tolles Album vorgelegt hat. Ich jedenfalls werde mit noch weitere der neuen CDs zulegen und mache neben der Oysterband auf dem Thron meiner liebsten Folk-Band ein Plätzchen frei.


Stay alive and rock on,
Harvey
(1.7.09)

 

Fairport Convention

(England)
1967 gegründet
1967 erste VÖ "If I had a ribbon bow"-7"
1979-84 aufgelöst

1999 Besetzung:
Simon Nicol: voc, guit
Chris Leslie: mand, voc, bouzouki, didgeridoo, violin
Ric Sanders: violin
Dave Pegg: b
Gerry Conway: dr, perc


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: