harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Junimusik 2008


Daniel Lanois: Here is what is
 

Daniel Lanois: Here is what is
(CD, 2008, 63:40)

Ein neues Studioalbum von Daniel Lanois!
Allerdings stimmt das genau genommen gar nicht.

Denn erstens ist das kein reguläres Studioalbum, sondern der Soundtrack zu einer Doku über Lanois' Arbeit (mit gleichem Namen). Und zweitens hat der Kerl doch glatt inzwischen schon eine weitere Platte draußen! Während Here is what is Anfang April bei uns erhältlich war, kann man Rockets seit Ende April bekommen. Allerdings habe ich die noch nicht.

Wie dem auch sei, ich halte Here is what is für eine sehr gelungene Platte. Dass es sich um einen Soundtrack handelt, kann man daran erkennen, dass einige Dialoge vorkommen. Da ist Daniel Lanois selbst zu hören und auch Brian Eno, wie sie Kommentare über dies und das abgeben oder philosophieren. Klingt sehr tiefgründig alles, ist aber immer nur kurz, so dass es den Fluss der Musik kaum stört.

Die Musik selbst ist wieder ganz anders als bei seiner letzten CD Belladonna, die ich nicht so gut fand. Bei Here is what is kann man erneut flirrende Gitarren, Country-Einflüsse und spacige Keyboards im Hintergrund hören. So erinnert gleich der erste Song Where will I be an alte Sachen von U2, bei denen Lanois Produzent war. Natürlich sind seine Songs eher sparsam instrumentiert und seine Stimme muss man auch mögen. Es gibt jedoch auch eine Reihe von Instrumentals, die einfach Stimmungen heraufbeschwören, ohne dabei einen Text zu benötigen. Diese Stimmungen - und das gilt für die ganze Platte - haben nach meinem Empfinden mit Sonnenuntergängen, einsamer Natur, verlassenen Höfen und solchen Dingen zu tun. Es herrscht also eine gewisse Melancholie vor und es geht sehr ruhig und langsam zur Sache. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt: die Platte könnte auf ihrer Gesamtlänge von einer Stunde ein bisschen mehr Pepp gebrauchen. Mal gelegentlich wenigstens ein schnelleres Lied wäre doch ganz nett gewesen.
Sie ist auch so sehr gut, aber gegen Ende kommt ein bisschen Langeweile bei mir auf. Vielleicht sollte ich auch einfach ein paar Songs wegprogrammieren und dann wäre alles gut.
Für eine Abwechslung in der Mitte sorgt der Song This may be my last time, gesungen von Brady Blade Sr., einem Priester und daher auch sehr gospelartig. Wobei ich dann davon nicht unbedingt noch mehr hören muss. Ein bisschen wird dieses Flair allerdings später bei Joy aufgegriffen, bei dem offensichtlich auch mehrere Leute singen. Durch die Orgel und den langsamen Bassrhythmus mit Steel guitar dazu klingt das Stück dann aber doch anders und gefällt, wenn auch nicht wirklich der "Spaß" deutlich wird, dafür ist es einfach zu ruhig.

Besonders gut gefallen mir noch: der Titelsong mit sehr coolem Bass und wilder Gitarre und Not fighting anymore, das sehr stark an die Arbeiten beim Soundtrack zu Million dollar hotel erinnert, als Lanois mit U2 und anderen zusammen arbeitete (nicht nur als Produzent, sondern auch als Künstler).





Daniel Lanois

(Kanada)
seit Anfang der 80er Produzententätigkeit
1989 erste solo-VÖ "Acadie" -CD

2008 Musiker:
Daniel Lanois: guit, b, voc
Brian Blade: dr
Garth Hudson: keys
Daryl Johnson: b
Brady Blade Sr.
Tony Garnier: b
Jim Wilson: guit
Marcus Blake
Steven Nistor
Ada Small
Shawn Stroope
Tony Mangurian
Willie Green
Aaron Embry:piano, keys


Link
Acadie
Falling at your feet

Anspieltipp:


DeRita Sisters: The band that refused to die
 

DeRita Sisters: The band that refused to die!!!
(2-CD, 2006, 81:55)

Das Abschiedsalbum einer Band, die trotz reichlich veröffentlichten CDs, EPs und Singles zu unbekannt ist, um bei wikipedia Erwähnung zu finden.

Auch ich habe erst ca. vor einem Jahr von den DeRita Sisters gehört und mich vor kurzem dann entschlossen, diese Doppel-CD zu kaufen.

Und ich bin hellauf begeistert! Für den Fan ramonesken 70er Punks mit guter Produktion, ordentlich Tempo und witzigen Texten genau das Richtige!

Wenn ich mir schon einfach nur die Spielzeit der ersten CD ansehe, auf der in 29 Minuten 21 Songs durchgejagt werden, dann kommt Freude auf. Und dann die Songtitel: The sound of horror, Burn the south, Fuck the police, KKK skeletons found in titanic, Orgy of one, Punk enuff, Born without a brain... Da wird ohne Vorbehalte über alles gemotzt und zugleich auch reichlich Schwachsinn erzählt - genau mein Humor! Und das Cover finde ich so geil, das hätte ich gern als T-Shirt!
Auch das Aussehen der Band ist sympathisch, die Typen sind sicher alle über 30 oder sogar über 40 und praktizieren den guten alten Ramones-Look inklusive leicht schrägem Aussehen und Gesichtsproblemen.

Und ich kann es einfach nicht anders sagen: sehr coole Musik, die mich ganz stark daran erinnert, wie ich einige Ramones-Scheiben zum ersten Mal gehört habe. Nur genial!
Klar, es paar Unterschiede gibt es schon: die DeRita Sisters nutzen meistens zwei Gitarren, dazu gibt an einigen Stellen dezente schräge Synthies und der Bass ist weniger knackig, dafür die Gitarren deutlicher im Vordergrund als bei den 70er Ramones. Ja, und hier und da gibt es auch mal ein Gitarrensolo und ein paar abgefahrene Licks und Riffs, trotzdem wird alles im Hyperspeed durchgehechelt und ist eindeutig Punkrock.

Und dazu kommt dann noch die Bonus-CD, sozusagen das Abschiedsgeschenk der Band! 35 Songs in 53 Minuten sind auf dieser drauf und davon sind 19 live in Deutschland aufgenommen und 16 im Studio neu eingespielte ältere "Hits" der Band. Also echt der optimale Einstieg!
Bis auf vier Songs (zwei live, zwei Studio) mit etwas schlechterer Aufnahmequalität können auch diese Lieder voll überzeugen und rocken wie Sau! Das geht soweit, dass ich die beiden CDs grundsätzlich am Stück höre, weil ich nach den ersten 29 Minuten noch lange nicht genug habe. Und wenn dann mal der Liveteil anfängt, wünsche ich mir, die Gruppe wäre noch zusammen und ich könnte sie nochmal real auf der Bühne sehen. Scheiße auch. Letztes Jahr gab's wohl eine kurze Reunion, aber meines Wissen nach fand die nicht in Deutschland statt. Der Sänger und Gitarrist Marky DeRita spielt jetzt bei Silent Meow, die auch nicht schlecht sind, aber doch irgendwie weniger oldschool und retro.

Von der zweiten CD möchte ich mal kurz die besten Songs nennen, es sind meiner Meinung nach Born without a punkrock name, Butterface, I-Tie 69, Gravy train, Punkrocknonstop und 77 forever.


Stay alive and rock on,
Harvey
(10.7.08)

 

DeRita Sisters

(USA)
1992 gegründet
2006 aufgelöst

2006 Musiker:
Billy D'Wad: b, voc
Marky DeRita: voc, guit
Wicked Gordy Howitzer: guit
Buddy Lush: dr


Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: