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Mary Chapin Carpenter:
The calling
(2007, 58:00)
Willkommen zum Country-Special diese Woche!
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Aber... stimmt natürlich
gar nicht. Während der Lee Clayton unten wohl
tatsächlich in diese Sparte fällt, macht Mary
Chapin Carpenter auf ihrer neuen CD doch eher folkigen,
oft akustischen Pop.
Kürzlich gab mit der
Hank vier Country-Compilations, der er zusammen gestellt hatte.
Ich hab mir daraus die Songs ausgesucht, die ich gut fand,
und noch so 6-8 andere dazu gepackt und hatte dann eine CD
voll. Aber das war im Prinzip auch kein Country, sondern eher
New Folk und New Country. So'n richtig heftiger Westernsong
war auf Hanks CDs auch überhaupt nicht dabei.
Dass Mary Chapin eine
neue Platte draußen hat, habe ich wieder nur zufällig
mitbekommen. Die ist sogar schon Anfang März erschienen
und ich habe sie im April bekommen, aber noch ein wenig zurück
gestellt, deshalb jetzt im Mai mein Kommentar dazu. Für
meine Verhältnisse bin ich doch richtig schnell mit zwei
Monaten Verspätung, oder?
Die CD ist recht ähnlich
zu ihrem Vorgänger Between here and gone (ist
die wirklich schon drei Jahre her?). Angeblich waren die Songs
für The Calling jedoch schon im September 2004
fertig, also direkt nach der Veröffentlichung von Between
here and gone. Das könnte die Verwandtschaft erklären.
Es ist eine ruhige Scheibe, eine nachdenkliche. Die Texte
sind lyrisch und sanft, gehen aber diesmal zum Teil etwas
mehr in die politische Richtung. Mary CC war ja schon
immer den "unbequemen" Countryprotagonisten Nashvilles
zuzurechnen, wobei dies auf den Platten nur unterschwellig
zu hören war. Inzwischen wird sie deutlicher. Sie kann
es sich auch leisten, denn die Zeit der Megaseller ist sicher
vorbei und andererseits hat sie garantiert ausgesorgt und
steht somit künstlerisch völlig unabhängig
da. Mit dieser CD ist sie übrigens auch bei einem Indielabel
gelandet, nix mehr mit Sony.
Was dieser "Ruf"
sein soll, nachdem die CD benannt ist, wird direkt im ersten
Song erklärt: die Muse, die Bestimmung, die Lebensaufgabe.
Etwas, das wahrscheinlich nicht jeder verspürt. Für
Carpenter ist es vermutlich die Musik, auch wenn sie
es nicht so deutlich sagt und nur davon spricht, dass ohne
groß nachzudenken immer klar war, welchen Weg sie einschlagen
will. Das bewundere ich, der ich mir ja laufend über
sowas Gedanken mache und mich sehr schwer tue, meinen "Weg"
zu finden.
Zusammenfassend ist dies
ein schönes Album. Ich mag die ruhige Stimmung, ich liebe
weiterhin die Stimme und die Songs haben genau das richtige
Maß an Eingängigkeit, das meine Popvorliebe anspricht
aber nicht überstrapaziert.
Auf der anderen Seite ist diese neue Platte aber doch weniger
gut als ihr Vorgänger. Between here and gone erschien
mir tiefgründiger und interessanter. The calling
ist insgesamt wenig abwechslunsgreich und einige Stücke
plätschern nur so dahin. Im übrigen kommt es hier
wiederholt zur Selbstkopie. Das gab's bisher auch schon mal
gelegentlich, was ja auch normal und nicht nicht tragisch
ist. Aber auf The calling sind es doch ein paar Songs
zu viel von dieser Sorte. Dennoch - das sei betont - ist die
CD für sich genommen sehr gut. Sie kann aber dem bisherigen
Schaffen von MCC keine Akzente hinzufügen.
Ich persönlich finde
die ersten zwei Songs musikalisch weniger gut, ab Lied drei
(Twilight) geht's dann ganz gut durch. Ungefähr
bis Leaving song (einschließlich). Dann kommt
ein Lied für die Dixie Chicks, das mir nicht so
gefällt und der Rest darf wieder durchlaufen ohne Gemecker,
ist dabei aber sehr ruhig, so dass es schon in Richtung "zu"
ruhig geht.
Als ich die Fotos in/auf
der schön aufgemachten CD gesehen habe, war ich überrascht,
wie jung Mary CC hier aussieht. Sie wurde mal wieder
sehr vorteilhaft abgelichtet und könnte für 30 durchgehen.
Und sie wird nächstes Jahr 50!
Ja, in Zeiten in denen jede zweite Rockband 'ne Reunion nach
30 Jahren macht, ist es normal, dass Leute mit über 50
auf der Bühne stehen. Vermutlich können wir auch
noch so einiges von Mary CC erwarten. Ich würde
sie auch mal wirklich gerne live sehen, aber Konzerte in Deutschland
sind superrar.
Was mich etwas wundert, ist die Melancholie ihrer Musik in
den letzten Jahren, die früher nicht da war. Midlife-crisis?
Auch schon fast zu spät dafür. Über ihr Privatleben
ist wenig rauszufinden, also vielleicht liegt da auch das
Problem. Man lese sich nur mal den Text zu Closer and closer
apart durch, das ist echt ein Tränendrücker!
Aber gut.
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