harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Maimusik 2006


Pearl Jam: s.t.
 

Pearl Jam: Pearl Jam
(2006, 49:42)

Gewartet haben da nur wenige drauf und neue Fans werden sie auch nicht mehr viele gewinnen.
Trotzdem ist Pearl Jams achtes Studioalbum hörenswert.

Ich habe mir überhaupt noch nie zuvor eine CD von Pearl Jam direkt bei der Veröffentlichung gekauft. Ok, Lost dogs, die Rarities-Compilation, mit etwas Verspätung.
Meine Lieblingsplatte ist und bleibt ihre allererste. Danach fand ich immer nur einige Songs richtig gut und im übrigen sind sie eine Liveband.

Aber jetzt hatte ich doch mal Lust auf die neue Platte, zumal sie gute Kritiken bekommen hat und die letzte (Riot act) auch ganz gut war.

Mit Life wasted startet die CD sehr rockig, fast punkig und erinnert tatsächlich an ältere Sachen, insbesondere die Phase von ihrem zweiten Album (manchmal Five against one genannt) bis Vitalogy. Ich persönlich mag ja die ruhigeren, groovenden Songs lieber. Trotzdem ist dieser Einstieg ganz gut und gibt ein bisschen auch die Richtung vor.
Bei World wide suicide geht's dann in diesem schnellen Stil weiter, wenn auch die Remineszenzen an früher hier nicht so deutlich ausfallen. Ich höre da eher moderne Garagen-Gitarrenbands durch und finde von daher diesen Song auch ziemlich belanglos. Außerdem fällt auf, dass Eddie Vedder hauptsächlich schreit anstatt zu singen. Das ist zwar als Stilmittel an bestimmten Stellen der Musik schon nicht schlecht, wenn er aber in einem Stück immer nur so rumbrüllt, dann reisst mich das nicht vom Hocker. Zumal er ja eine sehr variable Stimme hat und gefühlvoll singen kann.
Comatose ist leider auch nur Geschrei zu schnellem Runtergeschrammel weniger Akkorde. Immerhin ist ein ganz nettes und PJ-untypisches Gitarrensolo dabei und wenn es nicht bereits der dritte schnelle Song in Folge wäre, käme der auch ganz gut.
Severed hand ist zwar auch recht rockig, weiss aber zwischen schnellen Parts mit massig Rückkopplungen (und einem unverhältnismäßig wilden Solo) und kurzen Ruhephasen zu pendeln und Eddie singt auch wieder. Ein typisches PJ-Lied, das man ohne auf Ablehnung zu stoßen im Hintergrund anstellen kann, das aber auch nichts Großartiges bietet und aus ihrem umfangreichen Werk somit in keiner Weise heraussticht.

An dieser Stelle frage ich mich, was PJ uns beweisen wollen. Dass sie trotz des Alters noch echte Rocker sind? Hmm, warum das?
Jedenfalls fand ich es immer cooler, dass PJ den Blues kennen und Stimmungen erzeugen können. Da darf natürlich auch mal zwischendurch gerockt werden. Aber ständig volle Power nach vorne und Punk im Blut - das ist doch einfach nicht ihr Metier.

Marker in the sand kommt dann auch deutlich mellower daher. Ebenfalls recht typisch für PJ mit unverzerrten Gitarren und schönem Gesang von Vedder. Ein guter Song, den ich gerne höre, denn er ist melodiös. Vom Tempo her eher mittelschnell ist es aber dennoch kein herausragendes, sondern ein durchschnittliches PJ-Lied.
Parachutes schon eher! Akustische Gitarren, sanfte Keyboards und ein Gänsehautgesang erinnern auch an so manches ruhige PJ-Stück, sind aber hier doch anders und neu dargeboten, vielleicht weil gleich zwei akustische Gitarren spielen. Toll!
Unemployable erinnert mich wieder sehr stark an die oben schon angesprochene Phase 1993/94. Etwas breaklastig und leicht funkig mit viel Energie aber gedrosseltem Tempo kann mich dieser Song durchaus begeistern. Zwar nicht neu, aber unerwartet und gut gemacht.
Dann geht's wieder mit Geschrammel weiter: Big wave ist zwar nicht schlecht, aber es gilt wie oben, dass man jetzt ja schon mehrere derartige Songs auf dieser Platte gehört hat.
Ein gefühlvoller langsamer Song folgt mit Gone. Eddie Vedders Stimme steht stark im Vordergrund, musikalisch beginnt der Song mit leisen Gitarren und wird aber später rockiger, um dann wieder zu ruhigen Abschnitten überzugehen. Das erzeugt sehr schön eine Stimmung von innerer Spannung und zugleich Nachdenklichkeit. Vielleicht deshalb und auch wegen guter Gitarrenarbeit der beste Song der Platte, auch wenn's kein Ohrwurm ist.
Army reserve kann auch vor allem wegen der netten Gitarren erfreuen, den Refrain (mit dickem Backgroundchor!) finde ich hier eher nicht so toll. Daher ein Song, der zwar gut ist aber auch hätte hervorragend werden können.
Come back wandelt ein wenig auf den Spuren von Yellow ledbetter, wenn auch die Gitarren nicht so roh sind wie bei letztgenanntem und das Tempo noch etwas langsamer. Trotzdem ist der warme Bassgroove derselbe und dazu gibt es auch sehr intensiven Gesang. So mag ich das! Von daher mein persönlicher Favorit.
Zum Abschluss gibt's noch einen Inside job, der insbesondere am Anfang akustische Gitarren, Vibratoeffekte und viel Piano auffährt und somit trotz eines nicht mehr ganz so leisen Schlusses die Platte ziemlich anders enden lässt, als sie begann. Inside job ist irgendwie auch typisch PJ und ganz nett, aber auch nicht so besonders ideenreich.

Zum Artwork der CD-Hülle sei gesagt, dass dies die erste Pearl Jam-CD ist, deren Design mir nicht gefällt. Erstens sind mir die Farben zu grell und zweitens kann ich mit den komischen Bildern von blutigen oder sich zersetzenden Köpfen (innen) nun garnix anfangen. Das Booklet dagegen ist düsterer und ansprechend gestaltet.

Insgesamt also eine CD mit ein paar guten, vielen mittelguten und ein paar nicht so tollen Songs. Damit ist sie zwar nicht der erhoffte Renner, aber dennoch eine Anschaffung wert.

Angst vorm Dunkeln kann ich mir momentan überhaupt nicht leisten. Verflucht, ich lebe jetzt schon ca. drei Monate in abendlicher und bis vor einiger Zeit auch morgentlicher Düsternis.
Das kommt daher, dass in meiner Küche die eklige Neonröhre ausgefallen ist und ich es einfach nicht gebacken bekomme, für 'ne Alternative zu sorgen.
Ich wollte mir nämlich gleich eine richtige Deckenlampe kaufen und wie jegliche Dinge, die geplant und mit erheblichem Zeitaufwand ausgeführt werden wollen, krieg ich das einfach nicht geregelt.

Also immer dunkel wenn's halt dunkel ist. Es kam aber noch schlimmer, als letzte Woche im Bad die Birne durchbrannte. Da ich dort zwei Lampen habe, dachte ich, "eine reicht doch auch".
Aber das ist natürlich nicht so. Nachts taumel ich orientierungslos ins Bad, weil der Lichtschalter außen nicht funktioniert. Morgens kann ich nicht erkennen, ob der Rasierer auch alles erwischt hat.
Also habe ich denn nach ein paar Tagen doch mal die Birne ausgewechselt. Dabei stellte ich fest, dass die Verkleidung der Lampe total versifft war und hab' diese erstmal ordentlich abgewaschen. Jetzt sehe ich mit 40 Watt genau so viel wie vorher mit 60W!





Pearl Jam

(USA)
Gegründet 1990
Erste VÖ 1991 "Ten"-CD

Besetzung 2006:
Jeff Ament: b
Eddie Vedder: voc, guit
Mike McCready: guit
Stone Gossard: guit
Matt Cameron: dr
+
Boom Caspar: org, piano


Link
Ten
Temple Of The Dog
Daughter
Merkinball
Yield
Live on two legs
Lost dogs

Anspieltipp:

Therapy?: One cure fits all
 

Therapy?: One cure fits all
(2006, 44:33)

Männo!
Therapy? enttäuschen mich!

Den extremstens genialen Vorgänger können sie hier nicht wiederholen. Für Fans trotzdem etwas Gutes.

Meine Beziehung zum Fussball ist eine schwierige.
Ich war als Kind im Alter von 11-14 im Fussballverein und mein größter Traum war es, Profifussballer zu werden.
Leider war ich klein und schmächtig und im Umgang mit Bällen nicht sonderlich geschickt. Das versuchte ich durch Training auszugleichen. In jeder freien Minute spielte ich Fussball.
Es half wenig. In meiner Klassenmannschaft war ich dritter Torwart und durfte irgendwann ein einziges Mal spielen. Das war allerdings auch echt der falsche Job für mich, denn ich hatte Angst vor dem Ball.
Im Verein war ich erst linker Verteidiger, weil sich sonst keiner für diesen Posten finden lassen wollte.
Auf dieser Position machte ich mir vor allem erstmal bei den anderen Spielern sehr unbeliebt, indem ich mich beim Training irre anstrengte. Die anderen Typen waren eher der Meinung, dass Anstrengungen zu vermeiden seien. Deshalb waren sie sauer auf mich. Diesen Ärger bekam ich zu spüren, indem sie mich beim Training absichtlich foulten und bei anderen Gelegenheiten rumschubsten und beschimpften.
Das war unangenehem, aber ich hatte mir vorgenommen Fussballprofi zu werden und liess alles über mich ergehen.
Leider spielte ich nur in der zweiten Mannschaft und die Auswahlsichter kamen nichtmal zu uns. Die guten Leute wurden gleich weiter gereicht an die erste Mannschaft. Ich war nicht dabei.
Irgendwann wechselte ich ins linke Mittelfeld und schoss sogar mal ein Tor. Ich fühlte mich wie Held. Das änderte aber nichts an den Traktaten der Teamkollegen. Auch meine Versuche diese durch umfangreiche Kenntnisse der Fussballhistorie zu beeindrucken, gingen nach hinten los.
Ebenso waren meine rechthaberischen Monologe bezüglich der aktuellen Bundesligatabelle und der Qualität bestimmter Vereine und Spieler ein Eigentor. Ich studierte zwar ausgiebigst Statistiken, Kicker-Hefte, sogar Bild am Sonntag und häufte dabei Unmengen von Wissen an, doch das machte mich den anderen noch unsympathischer.

Aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte, das beste war ja noch, dass man damals relativ alleine stand als solch ein großer Fussballfan. Das war Mitte oder Ende der 80er, da waren die Stadien immer höchstens halb gefüllt, da wurde man mit Fussbaltrikot in der Schule doof angeguckt und irgendwie meinten alle, das sei ein Sport für Asis. Jetzt kommt der Tabellenfreak Harvey daher und memoriert jede blöde Länderspielanzahl und solchen Mumpitz und erzählt auch noch wild davon und erzeugt damit einen Clash im Hirn der anderen Leute, denn ich war sicher kein Asi, aber bescheuert fand man mich denn halt trotzdem.
Ich habe heute noch ein paar der Alben, in denen ich Tabellen und Zeitungsausschnitte aufgeklebt hatte. Das Buch, das ich im Kunstunterricht anfertigte, in dem die zehn wichtigstens deutschen Nationalspieler aller Zeiten sowie das Spiel ansich vorgestellt wurden (Lehrerin völlig planlos: "Vorstopper, heißt der wirklich so?"). Allerdings habe ich alle meine Panini-Alben weggeworfen, böser Fehler.
Naja, jedenfalls wiedermal ein Grund für mich, mich "anders" als die anderen Kinder zu fühlen. Früher fand ich Fussball super und alle schauten mich blöd an. Mit 14 merkte ich dann endlich, dass das nix wird mit der Profikarriere, schwor diesem (und später auch jedem anderen) Sport ab und ignorierte ihn fortan völlig.
Dann brach plötzlich in Teutschland ein Fussballwahn aus und alle, aber auch die intellektuellsten Penner fanden das gut. Nur Harvey nicht. Hatte ich ja alles schon durch. Und wieder war ich der Idiot.
Gibt's doch gar nicht, dass du Fussballl überhaupt nicht gut findest! Nö, wir treffen uns dieses Wochenende nur zum Fussballgucken, aber das is ja nichts für dich!
Fuck! Jetzt war ich wieder mal absolut nicht in, dabei war ich doch nur meiner Zeit voraus! Ja, Trendsetter könnte man mich auch nennen!

Aber es hat sich etwas relativiert. WM-Spiele schaue ich jetzt schon an. Nur die Bundesliga, nee, nee, die kommt mir nichts ins Haus! Und BamS schon gar nicht mehr! Kotz!

Soweit heute zur WM-Berichterstattung. Nächstens noch mehr!
Gezze aber mal zu Therapy?'s neuer.

Ich bin ja ein großer Fan von denen. Keine der Platten finde ich richtig scheisse, allerdings ist Shameless nahe dran, aber das auch mit weitem Abstand zu allen anderen, die dann mindestens ganz gut sind. Never apologise never explain hat es nach etwas Eingewöhnungszeit sogar auf Platz 2 meiner persönlichen Rangliste geschafft. Denn die ist abgefahren, aber nicht zu sehr, und hat einen sehr tollen Schlagzeugsound sowie reichlich Gitarren- und Basspassagen, die nur geil sind.
Daraus folgt, dass ich hohe Erwartungen hatte, die leider mit One cure fits all nicht erfüllt wurden.
Beim ersten Hören fand ich das Teil nur langweillig, inzwischen habe ich gemerkt, dass doch ein paar gute - weil stimmungsvolle - Songs drauf sind.

Mal im Einzelnen:
Nach einem Outro (Therapy?-Humor) geht's mit Sprung und Deluded son eigentlich ganz gut los. Zwei uptempo-Nummern, die ins Ohr gehen und ordentlich rocken. Nicht die genialsten Songs ihrer Bandgeschichte, aber kann man nix gegen sagen.
Into the light dagegen wirkt deutlich einfallslos und der ständig wiederholte Refrain nervt nach einiger Zeit. Nicht viel anders ist es mit Lose it all, das zwar recht abwechslungsreich ist, dafür klingen die Gitarren hier doch ziemlich Metal-mäßig und auch die psychedelischen Effekte gegen Ende geben mir irgendwie garnichts.
Erst bei Song Nummer 6 (Dopamine, Seratonin, Adrenalin) wird's etwas ruhiger. Ein Stück, das mir ein bisschen zu eingängig ist, aber doch wegen seiner Intensität etwas hat. Diese wird bei Unconsoled dann noch verstärkt, das einen sehr depressiven Unterton hat und auch von der nur gelegentlich nach vorne gehenden Rockgitarre und dem dominanten Bass her sehr stark an einige Songs des Vorgängers erinnert. Dieses Stück gefällt mir daher auch sehr gut.
Ein recht typischer Therapy?-Song ist Our white noise: nette Melodien, gute Instrumente, gefällt. Auch Private nobody fällt im wesentlichen in diese Kategorie und weiss außerdem durch abgefahrenes Drumming und die Abwechslung von voller Gitarrenattacke und kurzen Breaks zu gefallen.
Rain hits concrete ist relativ poplastig ausgefallen, so in der Kategorie von Lonely cryin' only und in meinem Augen überflüssig. Weder habe ich Lust dabei zu tanzen, noch möchte ich mitsingen, also als Popsong nicht gelungen.
Für Fear of god gilt das gleiche wie für Our white noise, nur dass es nicht deutlich über Mittelmaß hinauskommt. Heart beat hits dagegen ist eher vergleichbar mit dem oben erwähnten Song Nummer 6 und gefällt mir ganz gut. Es kommt zusammen mit ungewöhnlichen Gitarren deutlich eine intensive Stimmung rüber.
Walk through darkness ist dann ein versöhnlicher Abschied. Zwar weniger im "neuen" Stil der näheren Vergangenheit, sondern eher in die Phase Infernal love bis Semi-detached passend ist der Song trotz seiner Eingänigkeit und einem nicht besonders hohen Tempo ganz nett.
Und so taugt gerade dieses Stück auch als Fazit: keine großen Neuigkeiten im Hause Therapy?, einige gute Songs, ein paar langweilige, der Wiedererkennungswert ist noch immer hoch und wer auf etwas altmodischen, lauten, Indie-Rock steht, der kann auch bei dieser Platte mal ein Ohr riskieren.


Stay alive and rock on,
Harvey
(7.6.06)

 

Therapy?

(Nordirland)
Gegründet 1989
Erste VÖ 1990 "Meat abstract"-Single

Besetzung 2006:
Andrew Cairns: voc, guit
Neil Cooper: dr
Michael McKeegan: b


Link
Shortsharpshock ep
Born in a crash
Troublegum
Knives
Diane
Suicide pact - you first
High anxiety
Never apologise never explain
Crooked timber

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: