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Therapy?: One cure fits all
(2006, 44:33)
Männo!
Therapy? enttäuschen mich!
Den extremstens genialen Vorgänger können
sie hier nicht wiederholen. Für Fans trotzdem
etwas Gutes.
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Meine Beziehung zum Fussball
ist eine schwierige.
Ich war als Kind im Alter von 11-14 im Fussballverein und
mein größter Traum war es, Profifussballer zu werden.
Leider war ich klein und schmächtig und im Umgang mit
Bällen nicht sonderlich geschickt. Das versuchte ich
durch Training auszugleichen. In jeder freien Minute spielte
ich Fussball.
Es half wenig. In meiner Klassenmannschaft war ich dritter
Torwart und durfte irgendwann ein einziges Mal spielen. Das
war allerdings auch echt der falsche Job für mich, denn
ich hatte Angst vor dem Ball.
Im Verein war ich erst linker Verteidiger, weil sich sonst
keiner für diesen Posten finden lassen wollte.
Auf dieser Position machte ich mir vor allem erstmal bei den
anderen Spielern sehr unbeliebt, indem ich mich beim Training
irre anstrengte. Die anderen Typen waren eher der Meinung,
dass Anstrengungen zu vermeiden seien. Deshalb waren sie sauer
auf mich. Diesen Ärger bekam ich zu spüren, indem
sie mich beim Training absichtlich foulten und bei anderen
Gelegenheiten rumschubsten und beschimpften.
Das war unangenehem, aber ich hatte mir vorgenommen Fussballprofi
zu werden und liess alles über mich ergehen.
Leider spielte ich nur in der zweiten Mannschaft und die Auswahlsichter
kamen nichtmal zu uns. Die guten Leute wurden gleich weiter
gereicht an die erste Mannschaft. Ich war nicht dabei.
Irgendwann wechselte ich ins linke Mittelfeld und schoss sogar
mal ein Tor. Ich fühlte mich wie Held. Das änderte
aber nichts an den Traktaten der Teamkollegen. Auch meine
Versuche diese durch umfangreiche Kenntnisse der Fussballhistorie
zu beeindrucken, gingen nach hinten los.
Ebenso waren meine rechthaberischen Monologe bezüglich
der aktuellen Bundesligatabelle und der Qualität bestimmter
Vereine und Spieler ein Eigentor. Ich studierte zwar ausgiebigst
Statistiken, Kicker-Hefte, sogar Bild am Sonntag und häufte
dabei Unmengen von Wissen an, doch das machte mich den anderen
noch unsympathischer.
Aber, worauf ich eigentlich
hinaus wollte, das beste war ja noch, dass man damals relativ
alleine stand als solch ein großer Fussballfan. Das
war Mitte oder Ende der 80er, da waren die Stadien immer höchstens
halb gefüllt, da wurde man mit Fussbaltrikot in der Schule
doof angeguckt und irgendwie meinten alle, das sei ein Sport
für Asis. Jetzt kommt der Tabellenfreak Harvey daher
und memoriert jede blöde Länderspielanzahl und solchen
Mumpitz und erzählt auch noch wild davon und erzeugt
damit einen Clash im Hirn der anderen Leute, denn ich war
sicher kein Asi, aber bescheuert fand man mich denn halt trotzdem.
Ich habe heute noch ein paar der Alben, in denen ich Tabellen
und Zeitungsausschnitte aufgeklebt hatte. Das Buch, das ich
im Kunstunterricht anfertigte, in dem die zehn wichtigstens
deutschen Nationalspieler aller Zeiten sowie das Spiel ansich
vorgestellt wurden (Lehrerin völlig planlos: "Vorstopper,
heißt der wirklich so?"). Allerdings habe ich alle
meine Panini-Alben weggeworfen, böser Fehler.
Naja, jedenfalls wiedermal ein Grund für mich, mich "anders"
als die anderen Kinder zu fühlen. Früher fand ich
Fussball super und alle schauten mich blöd an. Mit 14
merkte ich dann endlich, dass das nix wird mit der Profikarriere,
schwor diesem (und später auch jedem anderen) Sport ab
und ignorierte ihn fortan völlig.
Dann brach plötzlich in Teutschland ein Fussballwahn
aus und alle, aber auch die intellektuellsten Penner fanden
das gut. Nur Harvey nicht. Hatte ich ja alles schon durch.
Und wieder war ich der Idiot.
Gibt's doch gar nicht, dass du Fussballl überhaupt nicht
gut findest! Nö, wir treffen uns dieses Wochenende nur
zum Fussballgucken, aber das is ja nichts für dich!
Fuck! Jetzt war ich wieder mal absolut nicht in, dabei war
ich doch nur meiner Zeit voraus! Ja, Trendsetter könnte
man mich auch nennen!
Aber es hat sich etwas relativiert.
WM-Spiele schaue ich jetzt schon an. Nur die Bundesliga, nee,
nee, die kommt mir nichts ins Haus! Und BamS schon gar nicht
mehr! Kotz!
Soweit heute zur WM-Berichterstattung.
Nächstens noch mehr!
Gezze aber mal zu Therapy?'s neuer.
Ich bin ja ein großer
Fan von denen. Keine der Platten finde ich richtig scheisse,
allerdings ist Shameless nahe dran, aber das auch mit
weitem Abstand zu allen anderen, die dann mindestens ganz
gut sind. Never apologise never explain hat es nach
etwas Eingewöhnungszeit sogar auf Platz 2 meiner persönlichen
Rangliste geschafft. Denn die ist abgefahren, aber nicht zu
sehr, und hat einen sehr tollen Schlagzeugsound sowie reichlich
Gitarren- und Basspassagen, die nur geil sind.
Daraus folgt, dass ich hohe Erwartungen hatte, die leider
mit One cure fits all nicht erfüllt wurden.
Beim ersten Hören fand ich das Teil nur langweillig,
inzwischen habe ich gemerkt, dass doch ein paar gute - weil
stimmungsvolle - Songs drauf sind.
Mal im Einzelnen:
Nach einem Outro (Therapy?-Humor) geht's mit
Sprung und Deluded son eigentlich ganz gut los.
Zwei uptempo-Nummern, die ins Ohr gehen und ordentlich rocken.
Nicht die genialsten Songs ihrer Bandgeschichte, aber kann
man nix gegen sagen.
Into the light dagegen wirkt deutlich einfallslos und
der ständig wiederholte Refrain nervt nach einiger Zeit.
Nicht viel anders ist es mit Lose it all, das zwar
recht abwechslungsreich ist, dafür klingen die Gitarren
hier doch ziemlich Metal-mäßig und auch die psychedelischen
Effekte gegen Ende geben mir irgendwie garnichts.
Erst bei Song Nummer 6 (Dopamine, Seratonin, Adrenalin)
wird's etwas ruhiger. Ein Stück, das mir ein bisschen
zu eingängig ist, aber doch wegen seiner Intensität
etwas hat. Diese wird bei Unconsoled dann noch verstärkt,
das einen sehr depressiven Unterton hat und auch von der nur
gelegentlich nach vorne gehenden Rockgitarre und dem dominanten
Bass her sehr stark an einige Songs des Vorgängers erinnert.
Dieses Stück gefällt mir daher auch sehr gut.
Ein recht typischer Therapy?-Song ist Our white
noise: nette Melodien, gute Instrumente, gefällt.
Auch Private nobody fällt im wesentlichen in diese
Kategorie und weiss außerdem durch abgefahrenes Drumming
und die Abwechslung von voller Gitarrenattacke und kurzen
Breaks zu gefallen.
Rain hits concrete ist relativ poplastig ausgefallen,
so in der Kategorie von Lonely cryin' only und in meinem
Augen überflüssig. Weder habe ich Lust dabei zu
tanzen, noch möchte ich mitsingen, also als Popsong nicht
gelungen.
Für Fear of god gilt das gleiche wie für
Our white noise, nur dass es nicht deutlich über
Mittelmaß hinauskommt. Heart beat hits dagegen
ist eher vergleichbar mit dem oben erwähnten Song Nummer
6 und gefällt mir ganz gut. Es kommt zusammen mit ungewöhnlichen
Gitarren deutlich eine intensive Stimmung rüber.
Walk through darkness ist dann ein versöhnlicher
Abschied. Zwar weniger im "neuen" Stil der näheren
Vergangenheit, sondern eher in die Phase Infernal love
bis Semi-detached passend ist der Song trotz seiner
Eingänigkeit und einem nicht besonders hohen Tempo ganz
nett.
Und so taugt gerade dieses Stück auch als Fazit: keine
großen Neuigkeiten im Hause Therapy?, einige
gute Songs, ein paar langweilige, der Wiedererkennungswert
ist noch immer hoch und wer auf etwas altmodischen, lauten,
Indie-Rock steht, der kann auch bei dieser Platte mal ein
Ohr riskieren.
Stay alive and rock on,
Harvey
(7.6.06)
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