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Therapy?: Never apologise
never explain
(2004, 39:47)
Mal sehen, ob Therapy? ihr eigenes Motto verwirklichen
und sich für diese Platte weder entschuldigen
noch sie verzweifelt erklären.
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Auf der Homepage haben sie
sich jedenfalls im Vorfeld sehr optimistisch und selbstbewusst
gegeben. Ausserdem hat Andy Cairns ein bisschen den dicke-Hose-Rocker
raushängen lassen und beispielsweise erklärt, wie
toll es doch auch noch mit 40 ist "Die motherfucker,
die" zu schreien.
Die Platte erscheint nur
gut ein Jahr nach der letzten und mit veränderten Bedingungen.
Gitarrist No.2 und Cellist Martin McCarrick ist nicht mehr
dabei. Therapy? sind also nur noch zu dritt, eine Bandbesetzung,
die sie auch bis 1995 inne hatten, als sie den eben genannten
als vierten Mann dazu nahmen (der Drummer wechselte allerdings
ein paar Mal).
Nachdem ich die letzte Scheibe
High anxiety mit ihrem sehr melodiösen und punkigen
Grundton sehr gut fand, war ich gespannt auf dieses neue Werk.
Entsprechend den Ankündigungen erwartete ich eine leichte
Entwicklung in Richtung Schweinerock.
Aber alles falsch.
Auch die Rezensionen, die ich bisher von dieser CD gelesen
habe, konnten ihr nicht gerecht werden. Entweder haben die
Leute nicht richtig hingehört, oder sie kennen Therapy?
nicht wirklich.
Ich versuche hier mal, es besser zu machen.
Von der Länge der Songs
hat sich nicht viel geändert: drei Minuten im Schnitt.
Auch ist es nicht so, dass jetzt nur noch eine Gitarre zu
hören wäre. Tatsächlich haben viele Songs zwei
Gitarren dabei.
Der Unterschied besteht aber darin, dass die nicht mehr gleichberechtigt
sind. Die zweite ist meistens etwas leiser und liefert eher
die kleineren Effekte.
Die erste klingt aber auch anderes. Wo beim Vorgänger
so etwas wie "wohlklingende Punkakkorde" zu hören
waren, ist diesmal der Sound und die Verzerrung brutal und
noisy. Diese erste Gitarre erinnert häufig an Helmet
(alte Sachen; die Neue kenne ich nicht).
Das Schlagzeug ist geil wie
immer.
Könnte also alles noch Schweinerock sein, wenn auch vielleicht
etwas ungewöhnlich klingender. Bass und Songaufbau sorgen
aber dafür, dass es keiner ist.
Denn erstens wird dem Bass wieder mehr Raum gegeben. Da hört
man mal ein paar coole Töne von diesem Instrument alleine,
da ist er an anderen Stellen besonders laut und hart (gar
nicht warm) zu hören, möglicherweise durch irgendwelche
metallisch klingenden Effektgeräte gejagt.
Die Songs machen zunächst den Eindruck, sie wären
straight auf die Zwölf, wie man das vom Punk kennt. Sind
sie aber nicht. Trotz der Kürze der Stücke vereint
jedes in sich Tempowechsel, Breaks, unerwartete Zwischenstücke
und disharmonische Refrains, die zwar solche sind aber nicht
sehr melodisch klingen. Dann wieder kommen Passagen vor, die
sich hypnotisch-monoton wiederholen. Das alles würde
ich "Noise-Rock" nennen, wenn auch nicht von der
extremen Sonic Youth-Variante, bei der gar keine Songs
mehr übrig bleiben.
Vergleiche ich die Sache
mit alten Therapy?-Scheiben, so ist es zunächst
mal noch klar als Therapy? zu erkennen. Aber mit High
anxiety und auch mit Troublegum gibt es weniger
Gemeinsamkeiten. Klar ist immer noch ein Schuss Punk dabei
und einige Songs sind auch weniger noisy als andere.
Der beste Vergleich für diese Platte ist aber meiner
Meinung nach die Phase vom Beginn der Band (Babyteeth)
bis unmittelbar vor Troublegum (Shortsharpshock
ep).
Natürlich ist es nicht ganz einfach eine 1:1 Rückkehr
zu dem alten Sound. Man hört deutlich die Erfahrung,
es ist etwas mehr Power dabei als früher und die Produktion
ist auch sehr professionell (Pete Bartlett verantwortlich).
Bleibt die Frage: ist das
gut?
Erstmal ist es gewöhnungsbedürftig.
Ich persönlich finde
auch die alten Sachen von Therapy? gut. Aber High
anxiety war besonders toll und ich hatte etwas anderes
erwartet.
Je öfter ich die CD
höre, desto mehr gefällt sie mir.
Man muss sie wohl auch oft hören, um die vielen abgefahrenen
Elemente der Songs würdigen zu können.
Ich bin also inzwischen soweit, dass ich Never apologise
never explain sehr geil finde.
Was vielleicht hätte verbessert werden können, ist
die Abwechslung von einem Song zum nächsten. Die Unterschiede
zwischen den Stücken sind nicht allzu groß, auch
ist kein besonderer Knaller dabei, der sich sofort heraushebt.
Was natürlich aber auch wieder dazu anhält, alles
zusammen und etwas genauer anzuhören.
Vielleicht wären auch ein, zwei langsamere Songs ganz
nett gewesen. Long distance geht ein bisschen in diese
Richtung, aber davon abgesehen gibt's hier nur volles Brett.
Insgesamt weniger eine Platte
um fröhlich zu sein, als eher eine, um Agressionen abzubauen.
Eben "Die motherfucker, die!".
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