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The Cure: Join the dots
(4-CD-Box, 2004, 295:54)
Pearl Jam:
Lost dogs
(2-CD, 2003, 111:55)
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Ein Novum bei Hitlist: zwei
Veröffentlichungen werden in EINEM Text vorgestellt!!
Tja, scheisse auch, jetzt müssen all die Millionen Cure-Fans
und die Abermillionen Pearl Jam-Fans den jeweils anderen
Teil auch lesen.
Der Grund ist folgender:
es handelt sich in beiden Fällen um B-Seiten Compilations.
Cure fassen 24 Jahre an Singles und Maxis auf vier
CDs plus dickem Buch zusammen und Pearl Jam 12 Jahre
(also genau die Hälfte) auf zwei CDs in schönem
Digipack.
Und da ich ein alter Statistikfreak
bin, kommen jetzt erstmal ein paar davon:
Cure haben in besagtem
Zeitraum 12 richtige Studioalben und 33 reguläre Singles
(verschiedene) rausgehauen.
Pearl Jam schafften in der Hälfte der Zeit sieben
Studioalben und 17 Singles.
Dabei sind jeweils limitierte Internet- oder Fanclub-Dinger
nicht mitgezählt.
Die Prinzipien hinter der
Songauswahl sind bei beiden Bands für diese Compilations
recht ähnlich:
Keine Livesongs!
Alle B-Seiten!
Ein paar unveröffentlichte Songs!
Schaut man genau hin, so
gibt es aber doch Unterschiede:
Cure geben uns wirklich
ALLE B-Seiten - auch diejenigen, die auf regulären CDs
enthalten sind. Da bekommt man also ein paar Songs, die man
bestimmt schon hat. Nicht so viele, aber insbesondere der
größte Teil der Japanese whispers hätte
ruhig weggelassen werden können, vielleicht zu Gunsten
von anderen Sachen, die nicht vorkommen. Dafür fehlt
Charlotte sometimes, das zwar keine B-Seite ist, aber
auf keiner Studioplatte auftaucht. Ebenso Never enough.
Pearl Jam dagegen
geben uns zwei Songs, die auf der zweiten Auflage von Ten
mit drauf sind zuviel. Ansonsten lassen sie ein bisschen weg
und zwar den Song Leatherman und die Merkinball
EP. Schande! Last kiss ist dafür dabei.
Cure bieten auch Remixes
und Versionen von Songs, die man schon kennt an. Hier gibt
es allerdings kleinere Lücken. Wer will aber auch acht
Versionen von Wrong number haben? Ich nicht.
ABER: auf jeder CD wäre noch für ungefähr ein
Lied Platz gewesen und durch die oben erwähnten Kürzungen
wäre auch noch mehr frei geworden für ein paar der
restlichen Remixes.
Pearl Jam verzichten
auf die wenigen anderen Versionen, die es so gibt. Unverständlich,
denn hier ist auf beiden CDs noch Platz.
Cure haben sämtliche
Sampler- oder Soundtrack-Songs die irgendwie anders oder neu
sind dazu gepackt. Pearl Jam etwa zur Hälfte nicht
(z. B. Home alive-, MOM-Songs sind dabei, Crazy
Mary, Catholic boy und der Judgement night-Song
nicht).
Die reinen Zahlen:
Bei Cure sind es 70 Songs, bei PJ 31 (einer
ist secret). Bei Cure sind davon acht unveröffentlich
und fünf weitere als äußerst selten einzustufen.
PJ haben 12 unveröffentlichte Songs im Angebot
und drei äußerst seltene. Ein paar Fanclub-Singles
fehlen allerdings. Bei Cure ist dies nur eine (meines
Wissens nach), dafür hätte man da gerne noch die
früher als Tapes erhältlichen Carnage visors
und Curiosity live-Platten. Aber das hätte niemals
mehr drauf gepasst, das wäre dann eine 5er Box geworden.
Insgesamt sind beide Zusammenstellungen
nicht ganz komplett, die von Cure ist aber wesentlich
kompletter als die von PJ. Dafür bekommt man bei
den Seattle-Jungs deutlich mehr auch unbekannte Musik zu hören.
Insofern kann man die als Fan-freundlich ansehen. Allerdings
existieren von PJ keine Singles ausschließlich
auf Vinyl, von Cure aber mehrere.
Rein vom Geld her bieten beide Compilations viel: Cure
muss man ein bisschen nach günstigen Angeboten suchen,
aber dann gibt's die vier CDs plus Bilderbuch für weit
weniger als vier reguläre neue CDs kosten würden.
PJs Doppelpack kostet ungefähr soviel wie eine
normale aktuelle CD.
Wichtig finde ich natürlich
auch die Details.
Join the dots trumpft mit einer exakten zeitlichen
Reihenfolge der Songs und genauer Herkunftsbeschreibung (Nummer
der Singles usw.) auf.
Lost dogs dagegen listet zu jedem Stück die Mitstreiter
und die von ihnen bedienten Instrumente auf.
Anekdoten zu den Songs gibt's in beiden Fällen, wobei
bei PJ hauptsächlich Eddie Vedder, Stone Gossard
und Mike McCready zu Wort kommen, bei Cure ist es zuallererst
Robert Smith und noch ein wenig Simon Gallup. Im Cure-Buch
wird außerdem die komplette Bandgeschichte nachgezeichnet,
der Bericht stützt sich aber zu oft auf die reine Aufzählung
der ausgekoppelten Stücke und den Grad des jeweiligen
Erfolges, was die Sache nicht wesentlich informativer macht
als die knappen Kommentare im PJ-Booklet.
Ich persönlich hatte
sowohl von Cure als auch von Pearl Jam schon
einige Maxis und somit auch einen guten Teil der hier dargebotenen
B-Seiten. Aber eben nicht alle. Auf Lost dogs sind
für mich 19 Songs völlig neu, keine schlechte Ausbeute.
Bei Join the dots sind es 18 Songs ohne besondere Versionen
bereits bekannter Stücke und 32 mit. Auch ganz nett.
Bleibt natürlich noch
die Frage nach der Musik. Wenn die B-Seiten alle scheisse
sind, bringt es auch nix, 87 davon hier hinterher geworfen
zu bekommen.
Aber sie sind nicht scheisse.
Beide Sets liefern sehr hochwertige, anhörbare Musik.
Die PJ-Doppel-CD gefällt
mir besser als so manches Studioalbum von denen. Sie ist sehr
abwechslungsreich und zwar im positiven Sinne. Klar, es sind
auch zwei, drei Obskuritäten dabei, die man nicht unbedingt
hören muss, doch die meisten Songs sind äußerst
gut und eindeutig PJ in ihrem Element. Bei einigen
frage ich mich, warum sie denn nicht auf dem Longplayer gelandet
sind, weil sie mir besser gefallen als andere Songs, die drauf
sind. Besondere Highlights sind Sad, Alone, Yellow ledbetter
(schon lange mein Anwärter für einen der ersten
Plätze in der Alltime-B-Sides Hitlist), Fatal, Strangest
tribe und Brother.
Join the dots ist
natürlich noch viel abwechslungsreicher. Cure
haben halt in ihrer Laufbahn mit den unterschiedlichsten Stilen
experimentiert und auch die Instrumentierung ist variabel.
Die Zahl der Songs oder Versionen, die man nicht unbedingt
braucht, ist hier etwas größer als bei den Lost
dogs. Das wird aber wieder wettgemacht von der langen
Spielzeit und den hervorragenden restliche Tracks. Obwohl
das hier alles B-Seiten sind, kann diese Zusammenstellung
auch als guter Querschnitt durch das gesamte Schaffen der
Band dienen. Die B-Seiten sind stilistisch nämlich meisten
repräsentativ für die jeweilige Phase. Mehr noch
als bei Pearl Jam ist das hier aber ein Wechselbad
der Gefühle und zwar weil Cure-Musik immer sehr
gefühlsbetont ist. Da passt dann aber nicht alles so
richtig hintereinander, was wegen der zeitlichen Reihenfolge
so angeordnet ist. Aber das kann man ja umprogrammieren. Es
fällt auch auf, dass Cure nicht so die Helden
bei den Coverversionen sind. Vier Versuche sind hier dabei
und alle sind eher mäßig.
Erwähnenswert hier übrigens auch, dass einige Songs
ein bisschen klarer klingen als im Original, da sie nochmal
neu gemastert wurden. Bei den Disintegration-B-Seiten
wurden die Pegel etwas verändert, die Songs wirkten auf
mich bisher auch ungewöhnlich von ihrem laut/leise-Kontrast.
Besonders hervorheben möchte ich folgende acht Stücke,
die eigentlich jeder Cure-Fan haben sollte: I'm
cold, Breathe, A chain of flowers, To the sky, This twilight
garden, The big hand, It used to be me, More than this.
Der "Battle of the B-Side
Collections" endet also mit folgendem Ergebnis:
UNENTSCHIEDEN
Kleiner Vorteil für
PJ bei den Nicht-Sammlern, da man diese CDs auch einfach
so als typische Bandsongs gut hören kann.
Kleiner Vorteil für Cure bei den Doch-Sammlern,
da die Sache recht vollständig und gut aufgemacht ist.
In jedem Fall beides lohnenswerte
Anschaffungen, so man denn die Art von Musik mag.
Stay alive and rock on,
Harvey
(25.3.04)
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