harveys hitlist: ein Leben auf dem Plattenteller hitlist - ein leben auf dem plattenteller
Hitlist
 




Maimusik 2003


Therapy?: High anxiety
 

Therapy?: High anxiety
(2003, 40:32)

Hey!
Hier wird ja wieder richtig gerockt!

Wenig Experimente, dafür kocht der Punk im Blut.

Von der letzten Therapy?-Platte (Shameless, 2001) hatte ich mir viel versprochen.
Erstens war der Vorgänger (Suicide pact - you first) sehr geil gewesen und zweitens war Jack Endino der Produzent. Da kann nichts schief gehen, dachte ich.

Es ging doch. Auch wenn Shameless beim ersten Durchhören ganz nett klang, konnte sie auf Dauer nicht begeistern. Alle Stücke ziemlich ähnlich und vom Stil her eine Art Garage-Rock, der einfach nicht Therapy?'s Ding war. Es fehlte die richtige Power und der Einfallsreichtum. So klingen alternde Rockstars.

Dagegen ist High anxiety ein Jungbrunnen!
Nie zuvor haben Therapy? so schnell gerockt: in 30 Minuten sind zehn Songs durch. Der letzte braucht dann nochmal zehn Minuten, besteht aber in Wirklichkeit auch aus drei Stücken.

Das muss erstmal noch nicht toll sein. Ist es aber.
Diese Platte hat nämlich nicht nur Energie und Spielfreude zu bieten, sondern auch Songs die ins Ohr gehen und zum Mitrocken auffordern. Ganz anders als bei Shameless ist dies hier Therapy?. Sie klingen nach ihrer selbst und nicht wie eine dreckige aber nachgemachte Backyard Babies-Version.

Dabei ist diese Platte gar nicht mal so ähnlich dem, was die Gruppe bisher so gemacht hat. Jedes einzelne Stück ließe sich zwar gut auch auf einen anderen Longplayer ab Troublegum packen, aber in dieser Zusammenstellung gab's das noch nicht.

Das Zwei-Gitarren-Spiel wird perfektioniert. Entweder Wälle oder einmal Schrammel und einmal Solo. Die Kunst des breaklastigen Schlagzeugspiels wird (wie schon öfter) zelebriert, obwohl der Typ an den Drums doch der Neue ist. Alleine der Bass wummert mehr songdienlich und weniger abgefahren als in (ganz) alten Zeiten.

Vereinzelt geht es auch etwas ruhiger zu. Nobody here but us bietet sleazige und auch unverzerrte Gitarren und ist im Grunde ein Popsong. Das ist schön melodisch und hätte vielleicht auch auf Infernal love gepasst. Nicht weltbewegend natürlich, aber gut gemacht und gut hörbar.

Das sich anschließende Watch you go wiederum passte wunderbar auf die Shortsharpshock ep, wenn man berücksichtigt, dass dort nur eine Gitarre und ein etwas sterilerer Sound dabei waren.

Die Single If it kills me gefiel mir zunächst am schlechtesten von allen Songs, doch sie wächst mit jedem Hördurchgang. Auch sehr melodisch mit etwas vertrackten Gitarrenläufen könnte das tatsächlich was für die Tanzflächen sein. Könnte auch gut auf Troublegum auftauchen.

Um die Rundschau zu vollenden: Not in any name könnte dann gut auf Suicide pact passen: bedrohlicher Basslauf und energetischer geschrieener Refrain, bei dem die Instrumentierung an Presslufthammerattacken erinnert. Sehr geil!

My voodoo doll verneigt sich vor den Undertones auch wenn das was nach Keyboards klingt wohl eher eine Gitarre ist. Und natürlich auch etwas flotter gespielt, als es 1978 üblich war. Das macht Laune! Auch hier kann ich nur den neuen Drummer loben: da hätten sie keinen passenderen finden können.

Insgesamt ist dies hier für mich die Weiterentwicklung von Suicide pact mit weniger abgedrehten Ideen und mehr Punkrock. In gewisser Weise kommerzieller, aber direkt anbiedern kann man sich mit dieser Musik nicht.

They're back!





Therapy?

(Nordirland)
Gegründet 1989
Erste VÖ 1990 "Meat abstract"-Single

Besetzung 2003:
Andrew Cairns: voc, guit
Neil Cooper: dr
Michael McKeegan: b
Martin McCarrick: guit, cello


Link
Shortsharpshock
Born in a crash
Troublegum
Knives
Diane
Suicide pact - you first
Never apologise never explain
One cure fits all
Crooked timber

Anspieltipp:


Marillion: Singles box vol.2 89-95
 

Marillion: Singles box vol.2 '89-'95
(12-Maxi-CDs, 2002, 287:06)

12 kleine Pappcover, die 12 Maxi-CDs enthalten, die man alle früher mal im Laden kaufen konnte. Aber nicht immer mit dieser Tracklist.

Wie der Titel schon sagt, ist dies bereits die zweite Box mit zwölf Maxis. Die erste deckte die Zeit 1982-1988 ab und somit die komplette Fish-Ära.

Für den Neuling oder jemanden, der lediglich an den Singles interessiert ist, bringt das schonmal nichts. Besser eine Best-of kaufen.
Denn: 40 Euros kosten die Teile (in etwa).

Stellt sich die Frage, ob sich diese Investition für den Fan lohnt.
Gegenüber der ersten Box fallen zwei Pluspunkte weg: die Cover sind meistens nicht so toll (die waren in der ersten Box immer hervorragend) und alle Maxis sind bereits als CD erschienen.
Jedoch hier gleich eine Einschränkung: man findet hier auf jeder Maxi sämliche Tracks, die auf allen Formaten dieser Single enthalten waren. Das können dann bis zu zehn Songs sein. Und da sind einzelne dabei, die dann doch nur auf Vinyl erschienen waren.

Um aber genau den Wert der Box abschätzen zu können, betreibe ich mal etwas Statistik:

Wir finden hier insgesamt 62 Songs, 40 verschiedene.
Davon sind 24 (39%) Liveversionen.
Von den 62 Stücken sind 11 (18%) B-Seiten in dem Sinne, als es von Marillion gespielte Songs sind, die nicht regulär auf einem Album enthalten sind.
Es sind 17 (27%) Songs dabei, die jeder Besitzer der normalen CDs in genau dieser Form schon hat.
Falls man die digital gemasterten Doppel-CDs besitzt, fallen nochmal 15 Stücke (24%) raus, die dort schon mit drauf sind.
Da würde also etwa die Hälfte übrig bleiben, doch da sind auch viele Versionen dabei, die man nicht wirklich braucht.
Summa sumarum komme ich auf 17 (27%) wirklich lohnenswerte Stücke für den Kenner.

Das klingt wenig. 17 Songs, das ist etwa eine CD, vielleicht ein bisschen mehr, dafür 40 Taler?

Nun, bei mir kamen weitere Argumente dazu: ersten bin ich ja ein GROSSER Fan, zweitens habe ich die Doppel-CD von Afraid of sunlight nicht und werde sie mir auch nicht kaufen, weil ich jene Platte ungut finde (+2 Songs). Dazu kommt, dass die eine oder andere Version, die nun nicht wirklich lohnenswert ist, mich trotzdem interessiert und von mir gerne mal gehört werden wollte.
Und dann noch ein finanzielles Argument: Denn ich besitze diese Maxi-CDs teilweise im Original und ich werde sie nun verscherbeln. Daher hole ich einen Teil der 40 Kohlen wieder rein.

Bei der ersten Box stellten sich diese Fragen übrigens so überhaupt nicht. Ich hatte ALLE dort enthaltenen Songs und Versionen vorher auf Vinyl. Und ich hatte wenig davon auf CD, denn die zur Zeit von Clutching rausgekommenen Maxi-CDs waren super-rar und die digitalen Doppel-CDs hatte ich fast alle noch nicht, weil ich immer hoffte, die würden mal billiger werden. (Aber: natürlich hatte ich die B-Sides Themselves CD, die sich damit erübrigte).

A propos: es ist wieder mal Beschiss: von wegen alle Maxis!
Während bei der ersten Box die Lady Nina und die Garden party (live) Maxis fehlten, ist es hier die Brave acoustic-Promo, die allerdings auf der Brave Doppel-CD mit drauf ist und noch 'ne Promo von Cannibal surf babe, auf die man aber wohl verzichten kann.

Hat es sich nun gelohnt?
Ja klar, ich bereue nix.

Die Höhepunkte sind: zwei neue Versionen vom großartigen The great escape, nämlich die orchestrale und die alternative (welches die Single war). Ein Song übrigens, den ich früher erst gar nicht richtig zu würdigen wusste.
Der Mike Stone-jetzt-wollen-wir-aber-einen-Hit!-Remix von Cover my eyes. Nicht unbedingt gut aber interessant.
Der Song Sympathy: schönes Lied.
Die Live-Version von Splintering heart: rockt.
Der Meaty-Mix von Hooks in you: wertet den Song auf.
Und last but not least das komplette Acoustic-Fanclub-Konzert als Dry land B-Seite: sieben Songs. Das ganze wurde auf dem deutschen Fanclubtreffen zwar auch gespielt und gebootlegged (hier acht Songs) aber natürlich leidet da der Sound.

Bis die nächsten zwölf Maxis erschienen sind, wird es noch etwas dauern. Denn Singles sind inzwischen rar geworden bei Marillion. Aber ich würde mir die Box vol.3 auch nicht kaufen, den das neuere Zeug interessiert mich nicht besonders. Aber für die ganz harten werden sie weitere Wege finden, um überflüssige Scheinchen aus dem Portemonnaie loszuwerden, z.B. noch ein paar Dutzend Fanclub-CDs.

Fazit: ja, is' wohl nur was für Verrückte wie mich. Aber sehr schön aufgemacht und rein von der Spielzeit her auch viel Musik für's Geld (das sind etwa fünf ganze CDs voll).
Zum Schluss werde ich noch dem Titel meiner Website gerecht und bringe die 12 Singles in meine Hitreihenfolge. Dabei zählt dann aber nur der Song selber, nicht die ganzen B-Seiten:

Top 12 der Marillion-Singles mit Steve Hogarth
  1. The great escape
  2. Easter
  3. Uninvited guest
  4. Sympathy
  5. The hollow man
  6. Dry land
  7. Beautiful
  8. No one can
  9. No one can (zweimal, trotzdem kein Hit)
  10. Alone again in the lap of luxury
  11. Hooks in you
  12. Cover my eyes

Stay alive and rock on,
Harvey
(29.5.03)

 

Marillion

(Schottland und England)
Gegründet 1978 als "Silmarillion"
Erste VÖ 1982 "Market square heroes"-EP

Besetzung 1989-95:
Steve Hogarth: voc, keys
Mark Kelly: keys
Ian Mosley: dr
Steve Rothery: guit
Pete Trevewas: b


Link
Market square heroes
Grendel
Script for a jester's tear
Forgotten sons
Fugazi
Real to reel
Misplaced childhood
Clutching at straws
The thieving magpie
Seasons end
Holidays in eden
Brave
Marbles
Early stages

Für Statistik-Freaks:
Statistik die; -, -en:
1. (ohne Plural) wissenschaftliche Methode zur zahlenmäßigen Erfassung, Untersuchung u. Darstellung von Massen- erscheinungen.
2. [schriftlich] dar-
gestelltes Ergebnis einer Untersuchung nach der statistischen Methode.
3. Auswertung einer großen Zahl physika-
lischer Größen zur Bestimmung von physikalischen Gesetzen.
Statistik: